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AC/DC, ihre neue Platte und ich : Warum, warum nur, Alistair Kinnear?

  • -Aktualisiert am

Nette ältere Herrschaften: AC/DC im Jahre 2008 Bild: Sony/Guido Karp

Die neue Platte der australischen Hardrock-Gruppe AC/DC ist die beste seit achtundzwanzig Jahren und stellt schon insofern ein Ereignis dar. Edo Reents bedeutet sie noch mehr: Eine Erinnerung an Ferien in Cuxhaven, die jugendliche Trauer um Bon Scott und eine Feier bei Dieter Bohlen.

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          Die neue Platte der australischen Hardrock-Gruppe AC/DC ist die beste seit achtundzwanzig Jahren und stellt schon insofern ein Ereignis dar. Inwiefern sie das außerdem tut, auf diese Frage wird jeder Anhänger dieser seit fünfunddreißig Jahren ununterbrochen bestehenden Gruppe eine unterschiedliche Antwort finden.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Was mich betrifft, so hörte ich die Band zum ersten Mal bewusst Anfang Januar 1980 auf der Geburtstagsfeier von Dieter Bohlen; so hieß ein damaliger Schulfreund, der an diesem Tag vierzehn Jahre alt wurde, und als wir Kartoffelsalat und Würstchen hinter uns hatten und meinten, der Abend müsse noch etwas hergeben, das Radio einschaltete. Wir hörten lang nicht richtig hin, bis auf einmal Musik kam direkt wie aus der Steckdose. Es war, natürlich, der aktuelle Hit „Highway To Hell“ von der gleichnamigen, im Spätsommer 1979 erschienenen Platte.

          Ich hatte es vorher schon gehört, wusste aber nicht, von wem das war, und es interessierte mich auch nicht, denn diese Musik war mir nicht geheuer. Die buchstäblich wie Starkstrom elektrisierenden Gitarrenakkorde; das mit dumpfer Kraft einsetzende Schlagzeug und vor allem die schneidend-aufsässige Stimme, die ziemlich hoch, wie stranguliert und irgendwie auch leidend klang; dazu der mit geradezu selbstmörderischer Euphorie skandierte Refrain, der immerhin darauf hinauslief, dass das singende Ich auf dem direkten Weg in die Hölle war – wozu sollte das gut sein? Ich dachte, es wäre Sünde und man mache sich irgendwie schuldig, wenn man sich so etwas anhöre. Ich war aber auch denkbar unvorbereitet und hatte mir bis dahin immer nur Sachen von meiner älteren Schwester überspielt und sehr halbherzig vielleicht einmal eine Beatles-Kompilation auf Kassette gekauft, die ich aber kaum hörte, weil mich „Ob-la-di, Ob-la-da“ so irritierte.

          Meisterwerk: „Powerage” von 1978 - mit Bon Scott
          Meisterwerk: „Powerage” von 1978 - mit Bon Scott : Bild: Sony

          Bedrohliche Posen

          Lange ließ ich das auf sich beruhen und vergaß das Hörerlebnis sogar komplett, bis ich die folgenden Osterferien, im April 1980, bei Verwandten in Cuxhaven verbrachte. Mein gleichaltriger Vetter, der in jeder Hinsicht besser informiert war als ich, hatte „Highway to Hell“ natürlich, allerdings auf Musikkassette. Ob ich mal hören wolle, fragte er; aber ich verband schon gar nichts mehr mit dem Namen und starrte nur auf das Cover, das die Gruppenmitglieder in einer Pose zeigte, die mir bedrohlich vorkam; der Kleinste von ihnen trug eine Schuluniform, hatte Teufelshörner auf dem Kopf und einen gezackten Schwanz in der Hand.

          Wir hörten das Lied „Highway to Hell“, das gleich als allererstes kommt, dann sehr oft hintereinander, bestimmt fünfzehn, zwanzig Mal, und da wusste ich, ohne noch weiteres abwarten zu müssen, dass diese simple, rüde Musik mit diesem Kellerkindergehabe meine Musik ist. Da ich wenig Geld hatte, schlug ich meinem Vetter einen Tausch vor, worauf dieser sogar einging: „Highway to Hell“ gegen „Whatever You Want“ von Status Quo, die ich im Gepäck hatte.

          Schneidende Schärfe

          Das Frühjahr verbrachte ich im Wesentlichen damit, die Tage und Wochen zu zählen, die vergehen mussten, bis ich mir wieder eine neue AC/DC-Kassette von meinem Taschengeld leisten konnte; insgesamt gab es sechs, alle in aggressivem Orange gehalten. Die ersten drei, leicht blueslastigen Platten waren noch etwas unterproduziert, hatten aber schon diese schneidende Schärfe, dieses lauernde, kleinkriminelle Halbstarkentum, das der Sänger Bon Scott so unnachahmlich verkörperte, der aussah, als hätte er seine Jugend hauptsächlich mit dem Frisieren von Mofas verbracht. Mit der Platte „Powerage“ kam 1978 das Stadium der Meisterschaft: gediegene Produktion, ein sehr harter, aber, dank Bon Scotts Stimme, warmer Klang. Malcolm Young, der mit seinen langen Haaren frisurtechnisch mein Vorbild wurde, drosch seine gewaltigen Rhythmusgitarrenakkorde; Bruder Angus spielte, grundsätzlich in Schuluniform, seine Soli, in denen ich den Gipfel der Gitarrenkunst zu erkennen meinte, obwohl sie technisch anspruchslos waren.

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