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Benny Andersson zum 70. : Von Abba zum Volksmusikorchester

Benny Andersson 2007 bei der Premiere des Musicals „Mamma Mia“ in Barcelona Bild: dpa

Noten lesen konnte er nie, aber Hits schreiben ging gut: Benny Andersson, der musikalische Kopf von Abba, wird siebzig Jahre alt – und noch immer mit Fragen nach einer Reunion gelöchert.

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          Die Bedeutung Schwedens für die jüngere Kulturgeschichte liegt auf der Hand. Nur die Einheit seiner Beiträge - Kinderbuch, Krimi, Schlager - ist schwer zu bestimmen. Einmal, weil es vom Leben in Lönneberga und der Villa Kunterbunt weit zum Sterben in Ystad und Stockholm ist. Zum anderen, weil das Gefühl für schwedische Atmosphären, die alle Werke Lindgrens, Nordqvists, Sjöwall/Wahlöös, Mankells und Larssons durchziehen, den Werken der erfolgreichsten schwedischen Künstler vollkommen fremd ist.

          Als für die Gruppe Abba 1974 mit dem Sieg beim Wettbewerb der Eurovision ihre Weltkarriere begann, gelang schon das mit einem Lied, das durch nichts an seine Herkunft erinnerte. Nicht durch seinen Text, der auf einer etwas weiten Deutung des Bildes „sein Waterloo erleben“ beruhte, und nicht durch seine Musik, die eingängig war, weil sie von nirgendwoher kam. In „Waterloo“ spielte folgerichtig nicht einmal Waterloo eine Rolle, auch wenn „The history book on the shelf / Is always repeating itself“ so klingt.

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          Im Topoi-Vertonen war Abba auch später gut, ob es nun darum ging, dass der Gewinner alles bekommt, dass Mädchen für Minuten als Königinnen erscheinen, wenn sie tanzen, dass ein SOS in Paarbeziehungen leicht überhört wird oder dass es schön sein muss in der Welt reicher Männer. 380 Millionen Tonträger hat Abba auf diese Weise verkauft, jährlich kommen drei Millionen hinzu. Wie lange das her ist, kann man insofern leicht vergessen, als diese Musik immer noch funktioniert; aber auch nur das, würden Kritiker vielleicht ergänzen.

          Wie lange es her ist, wird aber sinnfällig dadurch, dass der musikalische Kopf von Abba, Benny Andersson, heute siebzig wird. Der aus Astrid Lindgrens Stockholmer Viertel stammende Autodidakt hatte sich nach Anfängen am Akkordeon das Klavierspielen beigebracht. Nur Noten lesen konnte er nicht. Alle Melodien von Abba entwickelten Anderssen und Björn Ulvaeus am Instrument.

          Da ahnten sie den Erfolg noch nicht: Pressefoto vom Tag des Grand Prix Eurovision de la Chanson 1974 Bilderstrecke

          Andersson hatte, als Abba 1968 gegründet wurde, schon einige Bands hinter sich. Als erst die Ehen der vier Mitglieder auseinandergingen, dann die Gruppe 1982 ohne offizielle Mitteilung aufhörte, machte er musikalisch sofort weiter. Er schrieb mit Ulvaeus Musicals, gründete eine Plattenfirma, hat ein eigenes Volksmusikorchester. Dass er ständig gefragt wird, wann Abba noch einmal auftrete, beruht auf einem Missverständnis. Abba ist die Band, die nicht zurückkehrt, weil sie nie aufgelöst wurde und in keine Zeit fällt. Es ist, als hätte die Geschichte nach einer Verkörperung des Wortes „Evergreen“ gesucht und sie in einer Band gefunden, deren Lieder keine eigene Atmosphäre haben, um dafür ganz die in sich aufzunehmen, die Hörer und Tänzer und Mitsinger ihnen geben.

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