https://www.faz.net/-gqz-11n9f

50. Todestag : Mein Buddy und ich

  • -Aktualisiert am

Einige behaupten, mit ihm starb die Musik: Buddy Holly im Jahre 1959 Bild: AP

Er war zweiundzwanzig Jahre, als er am 3. Februar 1959 in einem Flugzeug in den Schnee von Iowa stürzte. Seitdem fehlt Buddy Holly. Und darüber trauern nicht nur seine Fans. Ein Selbstversuch zum Leben ohne den berühmtesten Brillenträger der Popgeschichte.

          4 Min.

          Wie es war, als Elvis starb, weiß ich noch genau - meine Mutter weckte mich morgens, denn ich musste ja zur Schule, und berichtete, was sie im Radio gehört habe: Elvis ist tot, und ich sagte, kein Wunder, denn der sei zuletzt ja so wahnsinnig dick gewesen, der habe bestimmt zweieinhalb Zentner gewogen, meine Mutter konnte das gar nicht glauben. Aber an den Tag, als Buddy Holly starb, habe ich keine Erinnerung, denn da war ich noch gar nicht geboren.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Dafür weiß ich, wann ich mir meine erste Buddy-Holly-Platte gekauft habe: im Dezember 1988 auf einer Plattenbörse in Münster. Ich gebe zu, dass es historisch stimmiger gewesen wäre, wenn ich damit noch einige Wochen gewartet und sie mir beispielsweise am 3. Februar 1989 gekauft hätte, denn dann wäre es auf den Tag genau dreißig Jahre her gewesen, dass Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam; aber was hätte das gebracht?

          Einen Zehner für Buddy

          Ich wusste nicht, dass dieser Tod zwar nicht eigentlich tragisch war, denn es war kein unausweichliches Verhängnis, kein schuldloses Schuldigwerden oder wie immer man das Tragische definieren will; aber er war traurig genug. Und er wäre vermeidbar gewesen: Buddy Holly hätte einfach den Bus nehmen sollen, wie der Liedermacher Bernd Begemann später sang, und nicht mit einer Propellermaschine fliegen, die von einem unerfahrenen Piloten gesteuert wurde. Das war an diesem verdammten Morgen des 3. Februar 1959, und heute, mit dem Abstand von zwanzig Jahren und einigen Wochen zu dem Kauf meiner ersten Buddy-Holly-Platte, erscheint es mir, als ließe sich das Schicksal dieses Mannes, der ja nur zweiundzwanzig Jahre alt wurde (also noch jünger starb als Georg Büchner!), mit einer Kolumnensammlung von Max Goldt auf einen Nenner bringen, die den Titel trägt: „Okay, Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine“, aber mit Buddy Holly gar nichts zu tun hat.

          Gegenentwurf zum Rocker: Buddy Holly

          Ich weiß also noch, wie ich mir meine erste Buddy-Holly-Platte gekauft habe: Am Eingang zur Plattenbörse liefen im Auftrag der Firma Marlboro häschenmäßig zurechtgemachte Mädchen herum und verteilten umsonst Zigaretten, und obwohl ich gar nicht rauchte, nahm ich welche, weil ich dachte, das könne auf einer Börse, auf der Rockplatten verkauft werden, nicht schaden. Ich glaubte damals, je mehr jemand als Rock-'n-'Roll-Idol verehrt werde - was bei Buddy Holly ja zweifellos der Fall war -, desto härter müsse er auch als Typ sein, und desto härter wären entsprechend auch seine Fans. Zwar war ich noch gar kein Buddy-Holly-Fan, aber das konnte hier auf der Börse ja niemand wissen. Ich hatte zufällig eine brennende Zigarette im Mund, als ich mich bei einem Händler durchs Sortiment wühlte, eine Buddy-Holly-Platte herauszog und nach dem Preis fragte - leider, ohne dabei die Zigarette aus dem Mund zu nehmen, so dass ich sofort beißenden Qualm in die Augen bekam und ein paar Sekunden lang nichts sehen konnte. Der Händler sah mich ganz irritiert an und sagte nur: „Einen Zehner.“

          Ein knallharter Rockfan mit Kippe im Mund

          Erst viel später wurde mir klar, dass ich mir dieses Halbstarkengetue hätte sparen können. Buddy Holly war ja geradezu der Gegenentwurf zum Rocker und wurde mit seinem adretten Äußeren und der großen Brille gelegentlich sogar als Buchhaltertyp bezeichnet. Auch die Musik schien mir nicht besonders hart zu sein, wie ich zu Hause nachhören konnte. Wirkten „That'll Be the Day“ und „Peggy Sue“ schon nicht wie richtige Rockmusik, so kam mir „It Doesn't Matter Anymore“ fast wie Easy Listening vor. Paul Anka hatte dieses Lied extra für Buddy Holly geschrieben, und Paul Anka war der Oberschnulzenkönig. Ob es mir trotzdem oder gerade deswegen so gut gefiel, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?
          „Chapeau“ für den Wahlsieger: EZB-Präsidentin Lagarde, Merkel und von der Leyen am Freitag in Brüssel

          EU reagiert auf Wahlsieg : „Chapeau, muss man einfach sagen“

          Die EU-Regierungschefs äußern sich erleichtert über das britische Wahlergebnis. Auch Angela Merkel findet lobende Worte für Johnson. Nun wollen sie rasch über die Zukunft verhandeln – im eigenen Interesse.

          Radwege zu eng? : Radfahrer verursachen immer mehr Unfälle

          Mehr Fahrradfahrer, mehr Lastenräder und zu schlechte Radwege: Die Zahl der Unfälle auf zwei Rädern steigt stark, wie Unfallforscher melden. Auffällig: Besonders die Zahl der Kollisionen von Radfahrern untereinander nimmt zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.