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Pop-Kolumne „Das wird’s“ : Wir brauchen die Livemusik zurück

  • -Aktualisiert am

Sollte ein Konzert unter freiem Himmel, mit reichlich Raum und ohne Moshpit, unter Auflagen undenkbar sein? Bild: AP

Wieso soll es in diesem Sommer keine Lösung für Konzerte unter freiem Himmel geben? Wenn wir glauben, „diese Dinge“ seien verzichtbar, täuschen wir uns. Und bis das Gröbste geschafft ist, sind Ideen gefragt.

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          Fragt sich, wie lange es noch dauert, bis wir ein Grundeinkommen für Musiker fordern. Aus Verzweiflung. Auf die Idee kommt man ja jetzt erst so richtig, wo man draußen auf der stillen Wiese in der Abendsonne sitzt. Wie er wohl wird, der Sommer ohne Konzerte im Dämmerlicht? Kein Zelt-Musik-Festival in Freiburg, kein Dockville in Hamburg, kein Chilly Gonzales auf der Mainzer Zitadelle und kein Kampf um eine einzige Zugabe am Kölner Tanzbrunnen. Sogar Udos Tour ist abgesagt: Und du glaubst nicht mehr an Wunder.

          Musiker lieben Festivals, weil sie damit Geld verdienen, weil sie Aufmerksamkeit versprechen, beste Stimmung und großes Publikum. Es mag auch ein Jammer sein, nicht mehr vier Tage in Folge mit der gleichen Weltall-Polyesterjacke auf einem Zeltplatz herumlungern zu dürfen, aber legen wir diese Sehnsucht mal zu den Luxusproblemen. Fordern wir lieber eine bundesweite Lösung für die freien Künstler, die gerade nichts von den unbürokratischen Hilfen haben, von denen so viel die Rede war, weil nach dem ersten Andrang das Geld fehlt oder sie am Ende doch Hartz IV beantragen sollen. Jeder, der einmal selbständig war, weiß, wie drastisch so eine Entscheidung ist. Fordern wir eine schnelle Antwort auf die Frage, die jedes Bundesland selbst finden muss: was eigentlich eine Großveranstaltung ist. Sie macht es jetzt Veranstaltern und Bands schwer; zu planen.

          Es ist doch sonderbar, dass der Gesundheitsexperte Zeke Emanuel in der „New York Times“ verkündet, er glaube nicht an große Konzerte bis zum Herbst 2021. „Diese Dinge“ würden wohl die Letzten sein, die zurückkehrten. Und keiner widerspricht. Es gibt existenziellere Probleme, natürlich, in vielen Ländern zählt gerade nur der Kampf gegen den Kollaps. Aber hier wird darüber nachgedacht, wie die Leute schnell und mit gebührendem Abstand in ihre Großraumbüros zurückkehren. Und ein Konzert unter freiem Himmel, mit reichlich Raum und ohne Moshpit, soll unter Auflagen undenkbar sein?

          Denkbar wiederum wäre, dass „diese Dinge“ nicht für wichtig genug befunden werden. Aber da täuschen wir uns. Es wird wichtig werden. Wenn das Gröbste geschafft ist, brauchen wir die Livemusik zurück. Und weil's so klar ist, machen wir jetzt, im Vertrauen auf eine Lösung, einen Abstecher in den Plattenladen. Geht ja wieder.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

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