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Politische Korrektheit : Tyrannei des Biedersinns

Die Universität Oxford ist Schauplatz erbitterter Debatten. Bild: AP

Wird Cecil Rhodes aus Oxford weichen? An der berühmtesten Universität der Welt ist der Kampf ums Gedenken an einen ungeliebten Stifter voll entbrannt.

          5 Min.

          Seit einigen Wochen steht Cecil Rhodes im Mittelpunkt einer erregten Debatte, die ein Beispiel liefert für die zunehmende Tendenz an britischen und amerikanischen Hochschulen, diejenigen zu maßregeln, deren Meinungen nicht im Einklang stehen mit der Ideologie einer eifrigen Minderheit. In Oxford fordert die Kampagne „Rhodes Must Fall“ die Entfernung eines Denkmals des umstrittenen britischen Kolonialisten, von dessen Großzügigkeit Generationen von Studenten aus aller Welt profitiert haben. Cecil Rhodes sei der „Hitler Südafrikas“ gewesen, ein Rassist, der Eingeborene versklavt und Südafrika ausgebeutet habe, behaupten die Agitatoren. Sein Denkmal über dem Portal des durch ihn finanzierten Anbaus an sein ehemaliges College, Oriel, zelebriere koloniale Gewalt und verletze die Studenten, die jeden Tag daran vorbeigehen müssten. Die Universität Oxford sei institutionell rassistisch; es gelte, sie zu entkolonialisieren, damit sie angesichts ihres eurozentrischen Lehrplans kein verzerrtes Weltbild vermittele.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          An der Spitze der Kampagne steht ein südafrikanischer Rhodes-Stipendiat, der nach den Pariser Attentaten die Trikolore dem Hakenkreuz gleichstellte und erklärte, nicht an der Seite Frankreichs stehen zu können, solange das Land zur Förderung seiner imperialen Interessen Afrika und den Nahen Osten terrorisiere und bombardiere. Ntokozo Qwate sieht keinen Widerspruch darin, ein Rhodes-Stipendium angenommen zu haben. Er sei bloß Begünstigter der Reichtümer seines Landes, das Rhodes geplündert habe.

          „Moralische Säuberungskampagne“ oder ein Schritt in die richtige Richtung?

          „Rhodes Must Fall“ hat bereits erreicht, dass eine Statue von Rhodes an der Universität Kapstadt entfernt wurde. In Oxford stößt die „moralische Säuberungskampagne“, wie sie ein Kritiker nannte, mancherorts ebenfalls auf Wohlwollen. Oriel hat sich ausdrücklich distanziert von den „kolonialistischen und rassistischen“ Ansichten seines Stifters, die in absolutem Gegensatz zu den Werten einer modernen Universität stünden. Das Führungsgremium will eine Tafel entfernen, mit der ein Privatmann 1906 Rhodes’ „Verdienste um sein Land“ gewürdigt hat, und prüft, wie es mit der unter Denkmalschutz stehenden Statue umgehen will.

          Nun hat die Leitung der Universität endlich Stellung genommen. Die Äußerungen stehen in erfrischendem Kontrast zu der anbiedernden Erklärung von Oriel. Lord Patten, der letzte Gouverneur von Hongkong und jetzt Kanzler von Oxford, sagte, britische Städte seien voller Gebäude, die dank des Ertrags von heute unannehmbaren Tätigkeiten wie etwa dem Sklavenhandel errichtet worden seien. Man könne sie nicht einfach alle abreißen. Die Geschichte sei kein leeres Blatt, auf das man im Einklang mit unseren zeitgenössischen Meinungen und Vorurteilen seine eigene Version dessen schreibe, was hätte sein sollen. Patten nennt die um sich greifende Idee von „sicheren Orten“, wo Studenten geschützt seien vor Inhalten, die ihnen nicht behagten, „schrecklich“. Intoleranz sei nicht zu tolerieren: „Wir wollen unsere Universität nicht in einen farblosen, faden Vorort der Seele verwandeln, wo die Diät aus einem intellektuellen Brei besteht.“ Wer die Werte der offenen Gesellschaft nicht akzeptiere, habe in Oxford nichts zu suchen. Dem pflichtete die Vizekanzlerin Louise Richardson mit der Aussage bei, dass Hochschulen Studenten das „wahre Wesen der Denk- und Redefreiheit“ beibringen müssten und sie zu kritischem Denken ermutigen sollten.

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