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Politiker in Talkshows : Kubicki

  • -Aktualisiert am

Wenn eine Person des öffentlichen Lebens scheitert, ist das ein Fall für Talkshows. Und Wolfgang Kubicki. Wir bekennen: Es ist eine Freude, ihn zu sehen.

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          Was sind Werte eigentlich noch wert? Gibt es noch Moral in der Welt? Je mehr Talkshows und Podiumsdiskussionen über den allgemeinen Verfall durchgeführt werden, desto schlimmer steht alles. Und je mehr sich die Leute, so sagen sie es wenigstens den Meinungsumfragern, nach echten Vorbildern, Helden und Lichtgestalten sehnen, desto kräftiger schmieren gerade die Besten, die Beliebtesten, die tollsten Ikarusse ab, man kann nichts machen. Schon wenn einer als „Reformer“ ankommt und vom Wert der Werte spricht, hat man doch gleich den O-Ton seiner tränenseligen Pressekonferenz im Ohr, „Fähler gemacht“ und so.

          Verrisse von erfrischender Grausamkeit

          Bleibt Kubicki. Jeder Skandal endet mit einem Fernsehauftritt von Wolfgang Kubicki, der verschmitzt in die Kamera lächelt. Tja, ich bin noch da. Das ist eigentlich schon die ganze Botschaft. Wie lange der Mann schon im Geschäft ist! Und was ist er nicht alles nicht geworden, in einer Partei, in der doch jeder alles werden kann. Kubicki redet im Unterschied zu den meisten Politikern sehr gern über Flops: was ihm nicht gelungen ist oder welche Frauen ihm Abfuhren erteilt haben. Und er erzählt das so, dass man die Frauen gut versteht. Er selbst scheint zu finden, dass sie wirklich besser daran getan haben, sich nicht mit ihm einzulassen.

          Oder wenn er über seine Partei spricht: Statt taktischen Zukleisterns aller Differenzen in sogenannten Appellen hört man von ihm Verrisse von erfrischender Grausamkeit. Und dass er viel Geld verdient und offenbar auch sehr gern, das wird kein investigativer Kollege umständlich offenlegen müssen, das erzählt Kubicki andauernd. Er nutzt sein Kapital nicht, um mehr Kapital zu erwirtschaften und auf Nummer Sicher zu bleiben, sondern auch dazu, freche Bemerkungen zu machen. Er freut sich an seiner Unabhängigkeit und am Leben überhaupt.

          Er ist das Gegenteil von Margot Käßmann, von ihm sind garantiert keine Weltreformbücher, keine Moralkompendien und nicht mal Fitnesstipps zu erwarten. Er pflegt eine pragmatische Anthropologie und verschafft uns insofern eine eigentlich ganz undeutsche Pause vom sittlich-moralischen Daueroptimieren. Niemand wird seinen Sohn Wolfgang nennen, damit er so werde wie der Kieler Advokat. Aber dann und wann freut man sich doch, ihn zu sehen, und sei es nur, weil man dann ganz genau weiß, was er im Moment eigentlich so treibt.

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