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Politiker starren aufs Handy : Reden Sie, ich schaue weg

  • -Aktualisiert am

Scheint wichtig zu sein: Robert Habeck und Olaf Scholz sitzen im Deutschen Bundestag und daddeln mit ihren Handys. Bild: dpa

Auch eine Art Schwatzbude: Woher rührt die Unsitte, dass Politiker im Parlament demonstrativ auf ihr Handy schauen, wenn andere reden? Robert Habeck ist da ganz vorn.

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          Es ist eine Unart, eine Missachtung zwischenmenschlicher Umgangsformen und ein fatales Eingeständnis des Schaucharakters der politischen Debatte, dass Spitzen – und insbesondere Regierungspolitiker im Parlament – bei Redebeiträgen der Opposition ostentativ auf ihr Telefon starren. Als hätte man seine Schuldigkeit mit dem Verlesen irgendeiner vorgeschriebenen Erklärung oder Rede ja getan und müsste sich jetzt nur noch die Zeit bis zur Kaffeepause oder bis zum nächsten Fernsehinterview vertreiben, in dem man dann wieder voller Pathos den demokratischen Wert der Debatte beschwören kann. Was ist das für ein Zeichen nach außen? Wie wirkt das, wenn zuletzt etwa wieder Robert Habeck bei einem verächtlichen Wortbeitrag des AfD-Politikers Karsten Hilse von der Querdenker-Empore gelangweilt auf seinem Display herumtippte?

          Er daddelt, wenn andere reden

          Wie ein arroganter Literaturwissenschaftler auf einer Tagung sah er aus, der nach seinem eigenen glänzenden Vortrag nur noch die Zeit absitzt und lustlos etwas herumdaddelt, während seine drittklassigen Kollegen sprechen. Er sitzt aber nicht mehr im Konferenzsaal oder im Literaturhaus, sondern auf einem der heißesten Stühle der Regierungsbank im Deutschen Bundestag, als Minister verantwortlich für die Geschicke einer der größten Wirtschaftsnationen. Daher ist sein Wegschauen nicht nur eine Stilfrage. Es verstößt gegen die Regularien der offensiven Konfrontation.

          Gegen den Auftrag, die politische Gegnerschaft im Land öffentlich kenntlich zu machen. Auch in der Mimik und Gestik. Von Angesicht zu Angesicht. Vom Fechten oder Boxen kennt man die Regel, dass sich Kontrahenten vor und nach dem Kampf in die Augen zu schauen haben. Wer seinen Gegner nicht anschaut, der kann ihn nicht besiegen, so lautet dabei die Annahme. Nun mag der pazifistisch gesinnte grüne Vizekanzler Habeck glauben, dass er besonders cool, postheroisch und gelassen wirkt, wenn er das hässliche Gerede seines Parlamentskollegen (denn ein Kollege ist es bei aller gegenseitiger Verachtung ja doch) gar nicht zur Kenntnis nimmt; aber souverän wirkt das nicht.

          Das Zuhören notfalls schauspielern

          Genauso wenig wie es das bei der ehemaligen Bundeskanzlerin tat, die Gregor Gysi von der Linken einmal in der ihm eigenen, schlagfertigen Art wie eine unaufmerksame Schülerin zurechtwies, ihm doch lieber zuzuhören, als Gespräche mit ihrem Sitznachbarn zu führen. Es ist im Grunde derselbe Irrtum, dem auch schlechte Großschauspieler aufsitzen, die meinen, mit ihrem Monolog wäre alles getan. Dabei ist das entscheidende Kriterium, wie man dem anderen auf der Bühne zuhört. Wie man das Gesagte auf seinem Gesicht spiegelt, wie man es dadurch bekräftigt, diskreditiert oder lächerlich macht. Man muss nicht immer an Wehner und Strauß erinnern, aber ein bisschen mehr Geistesgegenwart oder zumindest Schauspielkunst kann man von den Parlamentariern schon verlangen.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

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