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: Zwischen dem Vater und Franco

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MADRID, 21. April. Der traurigste Tag im Leben des jungen spanischen Prinzen Juan Carlos war der, an dem er aus Versehen seinen kleinen Bruder erschoß. Diese und einige andere wenig bekannte Schlüsselepisoden aus der Vita eines regierenden Bourbonen fügen sich in der neuen Biographie "Juan Carlos ...

          MADRID, 21. April. Der traurigste Tag im Leben des jungen spanischen Prinzen Juan Carlos war der, an dem er aus Versehen seinen kleinen Bruder erschoß. Diese und einige andere wenig bekannte Schlüsselepisoden aus der Vita eines regierenden Bourbonen fügen sich in der neuen Biographie "Juan Carlos - König eines Volkes" zu einem eindrucksvollen Porträt des inzwischen 65 Jahre alten iberischen Monarchen. Der Verfasser, der britische Historiker Paul Preston, der schon die beste Lebensbeschreibung des Diktators Francisco Franco vorgelegt hat, erspart in dem zunächst nur auf spanisch erschienenen 600-Seiten-Buch seinem Subjekt nichts Wesentliches. Er tut es freilich auch an den heikelsten Punkten mit Genauigkeit und Takt.

          Frühere Versuche spanischer Historiker konzentrieren sich vor allem auf die politische Biographie von Juan Carlos. Das Auge des britischen Spanienliebhabers mißt indessen stärker die menschliche Dimension. Preston bemüht sich in seiner vom spanischen Hof "nicht autorisierten" Biographie - die englische Ausgabe soll im kommenden Jahr erscheinen -, dem komplexen Innenleben eines Mannes nachzuspüren, der seine Kindheit im Exil und seine Jugend allein an der Seite des alten Franco verbrachte. Von diesem und dem eigenen Vater Don Juan, der seinen Thronanspruch nie aufgab, wie ein politischer "Tennisball" benutzt, wurde der Sohn später in höchster Not nach der Übergangszeit sogar zum "Retter der spanischen Demokratie".

          Hätte der König den Historiker zu einem Interview empfangen - Preston drang aus Gründen seiner "Unabhängigkeit" nicht darauf, und aus dem Zarzuela-Palast wurde ihm bedeutet, daß man ihn auch nicht unziemlich beeinflussen wolle -, wäre letzterer wohl nicht umhingekommen, ihn nach jenem fatalen Tag in der Osterwoche des Jahres 1956 zu fragen. So mußte der Autor sich auf Sekundärquellen stützen, die diese Chronik ergaben: Am 29. März, einem Gründonnerstag, hatten Don Juan und seine Frau María de las Mercedes zum ersten Mal seit Monaten in ihrem portugiesischen Exil in Estoril bei Lissabon wieder ihre vier Kinder um sich versammelt. Die beiden Jungen, der achtzehn Jahre alte Kadett Juan Carlos und der vierzehn Jahre alte Alfonso, Schüler an dem französischen Gymnasium in Madrid, waren mit dem "Lusitania Express" aus Spanien zu ihren Eltern und Schwestern gekommen.

          Die beiden Prinzen, die sich nach der Morgenmesse und Stunden vor der Abendmesse offenkundig langweilten, vertrieben sich im Spielzimmer die Zeit mit einem Geschenk, dessen Herkunft noch immer nicht bekannt ist: einem Revolver des Kalibers 22. Im Gegensatz zu dem introvertierten und zurückhaltenden Juan Carlos war "Alfonsito", aufgeweckt, zugänglich und sprühend, der Liebling des Vaters. Er wurde nun zum Opfer, als sich unter noch immer nicht völlig geklärten Umständen ein Schuß löste, der den Jüngeren das Leben kostete. Daß der große Bruder den Finger am Abzug hatte, als das Unglück geschah, wurde nie bestritten. Zielte Juan Carlos zum Spaß auf den Jüngeren? Dachte er, die Waffe sei nicht geladen? War es ein unfreiwilliger Zusammenstoß? Auch Preston kann diese Fragen nicht beantworten.

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