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: Zweierlei Vergleich

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Eine Diktatur war sie schon, die kleine, harmlose DDR - und noch dazu in allen wichtigen Fragen von der übermächtigen Sowjetunion abhängig. Doch man konnte sich in ihr so viele lustige Geschichten erzählen. Etwa die von einer neuen Kaffeesorte, die bei der Bevölkerung keinen Anklang fand und daher ...

          Eine Diktatur war sie schon, die kleine, harmlose DDR - und noch dazu in allen wichtigen Fragen von der übermächtigen Sowjetunion abhängig. Doch man konnte sich in ihr so viele lustige Geschichten erzählen. Etwa die von einer neuen Kaffeesorte, die bei der Bevölkerung keinen Anklang fand und daher in Anlehnung an ein schmackhafteres Westprodukt "Erichs Krönung" genannt wurde. Damit aber, so folgert Wolfgang Wippermann, war eindeutig der Beweis erbracht, dass in der DDR auch gescherzt und gelacht werden durfte. Und wo ein derart von Humor und Heiterkeit geradezu durchtränktes Alltagsleben vorherrschte, da konnte es unmöglich totalitäre Machtstrukturen gegeben haben!

          Man mag es kaum glauben: Solche Argumente werden nicht etwa in ironischer Absicht vorgetragen. Sie dienen dem Verfasser vielmehr allen Ernstes zur Rechtfertigung eines Denkverbots, das er auf den 160 Seiten seiner "Streitschrift" unermüdlich aufzurichten bestrebt ist. Dieses Denkverbot heißt: Diktaturvergleich - und man kann in dem Versuch, es zu etablieren, so etwas wie pseudowissenschaftliche Begleitmusik einer PDS-nahen Historiographie erblicken, die es für ihre Aufgabe hält, das noch immer nicht ganz saubere realsozialistische Parteigewissen zu entlasten und die extreme Linke koalitionspolitisch endgültig salonfähig zu machen.

          Hartnäckig wehrt sich Wippermann - im Klappentext seines Buches als "gefragter Historiker" mit hohem Popularitätsgrad angepriesen - gegen alle geschichtswissenschaftlichen Bemühungen um eine vergleichende Totalitarismusforschung. Sein Hass gilt all jenen, die es wagen, zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus ein wie auch immer geartetes Verwandtschaftsverhältnis zu konstatieren. Demgemäß fallen Hannah Arendt und Jakov Leib Talmon ebenso seinem Bannspruch zum Opfer wie Eckhard Jesse, Horst Möller, Joachim Gauck oder Hubertus Knabe. Sie alle gelten Wippermann als "radikale und gemeine" Dämonisierer der DDR, und sie betreiben für ihn das schmutzige Geschäft einer Verharmlosung und Relativierung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft.

          Selbstverständlich war die DDR kein totalitär regiertes Staatswesen, und wer wollte die Unterschiede leugnen, die etwa zwischen einem Heinrich Himmler und Hermann Axen oder einem Joseph Goebbels und Harry Tisch existierten? Hier betreibt Wippermann in der wohlfeilen Pose des entrüsteten Antifaschisten reine Spiegelfechterei. Denn keiner der von ihm so verteufelten Gelehrten hat jemals einer Ineinssetzung von DDR und "Drittem Reich" das Wort geredet. Indes: Analogien bei den Methoden der Machtsicherung und Herrschaftsausübung dürften bei einem vergleichenden Blick auf die beiden Regime ebenso ans Licht treten wie bestimmte Parallelen bei der Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung oder ein jeweils ähnlich stark ausgeprägter Wille zur Verweigerung kultureller Pluralität. Doch wer auch nur ansatzweise auf solche Zusammenhänge verweist, gerät für Wippermann zum "Großinquisitor", und wer es gar wagt, Stasi-Knast und Gestapo-Haft, NKWD-Lager und NS-Folterstätten in einem Atemzug zu nennen, gilt schlechthin als "Exorzist". Angemessener erscheint dem "gefragten Historiker" dann doch der Vergleich zwischen der "BRD" einerseits - mit ihren vermeintlich "vielen braunen Flecken" - und dem zweiten deutschen Staat andererseits, der in der skurrilen Optik des altlinken Geisterfahrers zu einer leistungsfähigen Industriegesellschaft mit einer sich zusehends liberalisierenden politischen Kultur zurechtgeschönt wird.

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