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: Zug und Ziel

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Der Streit darüber, ob eine Ausstellung über die Deportation jüdischer Kinder aus Frankreich während des Zweiten Weltkriegs auf deutschen Bahnhöfen gezeigt werden soll, hat die Rolle des Transportmittels Bahn für den nationalsozialistischen Völkermord noch einmal in Erinnerung gerufen. Zwischen 1941 ...

          Der Streit darüber, ob eine Ausstellung über die Deportation jüdischer Kinder aus Frankreich während des Zweiten Weltkriegs auf deutschen Bahnhöfen gezeigt werden soll, hat die Rolle des Transportmittels Bahn für den nationalsozialistischen Völkermord noch einmal in Erinnerung gerufen. Zwischen 1941 und 1945 wurden mindestens 265 000 Menschen allein aus Deutschland in die Gettos, Konzentrations- und Vernichtungslager der besetzten Gebiete Osteuropas gebracht. Eine systematische Zusammenstellung dieser Transporte fehlte bisher. Diana Schulle und Alfred Gottwaldt haben nun in mühevoller Kleinarbeit alles zusammengetragen, was zu finden war: Daten von über 650 Transporten, die sie mit ergänzenden Informationen versehen. Einleitend stellen sie das Zustandekommen und den Verlauf der ersten größeren Transporte ab 1938 sowie das sich bald zur Routine entwickelnde Zusammenwirken von Reichssicherheitshauptamt, Gestapo, Polizei und Reichsbahn ausführlich dar. Die systematischen Deportationen ab 1941 sind nach Zielgebieten beziehungsweise Bestimmungsorten geordnet; zur genaueren Übersicht ist noch eine chronologische Liste angefügt. Zu allen Aspekten der Deportationen sind ausgewählte Schlüsseldokumente im Faksimile wiedergegeben.

          Soweit es die Quellenlage zuließ, sind Zugnummern, Herkunft und Schicksal der Insassen, Zwischenstationen sowie Besonderheiten genannt. Es gelingt den Autoren überzeugend, Irrtümer in der Literatur zu korrigieren. Diese konnten vor allem dadurch entstehen, dass die damals vorgesehenen Zielorte entweder falsch benannt oder vielfach kurzfristig geändert wurden. Erst der Nachweis der einzelnen Transporte konnte hier Klarheit bringen. Viele Sachverhalte lassen sich jedoch nicht mehr aufklären, das Schicksal vieler Deportierter nicht mehr zurückverfolgen. Der hier vorgelegte Band präsentiert historische Grundlagenforschung übersichtlich. Es ist ein Handbuch für alle entstanden, die schnell zuverlässige Informationen zu diesem schrecklichen Kapitel der Zeitgeschichte benötigen. Der logistische Aufwand, den die Nationalsozialisten bis zum Zusammenbruch trieben, um Juden und die, die sie dazu erklärt hatten, aus dem Gebiet des Deutschen Reiches zu entfernen, zeigt das Ausmaß ihres Rassenwahns.

          KLAUS A. LANKHEIT

          Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich 1941-1945. Marixverlag, Wiesbaden 2005. 509 S., 15,- [Euro].

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