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: Überforderte Feuerwehrfrau

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Die Posten des Nationalen Sicherheitsberaters und des Außenministers sind die beiden höchsten außenpolitischen Ämter, die der Präsident der Vereinigten Staaten zu vergeben hat. In der amerikanischen Geschichte gab es bisher nur zwei Politiker, die beide Ämter innehatten: Henry Kissinger und Condoleezza ...

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          Die Posten des Nationalen Sicherheitsberaters und des Außenministers sind die beiden höchsten außenpolitischen Ämter, die der Präsident der Vereinigten Staaten zu vergeben hat. In der amerikanischen Geschichte gab es bisher nur zwei Politiker, die beide Ämter innehatten: Henry Kissinger und Condoleezza Rice. Kissinger sind bei aller Kritik auch große außenpolitische Erfolge nicht abzusprechen. Frau Rice wird dagegen in den detaillierten und sehr informativen Büchern von Glenn Kessler und Elisabeth Bumiller als unfähige nationale Sicherheitsberaterin und wenig erfolgreiche Außenministerin porträtiert. Die gut lesbaren Werke beruhen auf zahlreichen Interviews mit Mitarbeitern und Freunden "Condis". Elisabeth Bumiller, Korrespondentin der New York Times, und Glenn Kessler, Reporter der Washington Post, heben hervor, dass Frau Rice als Sicherheitsberaterin zahlreiche Fehler gemacht habe, beispielsweise in der amerikanischen Politik gegenüber dem Irak, Iran, Nordkorea, aber auch gegenüber Europa und im Palästina-Konflikt. Als Außenministerin versuche sie, diese Fehler wieder wettzumachen, was ihr aber bisher weitgehend misslungen sei.

          Dabei hatte alles so gut angefangen. Seit ihrer Ernennung zum Juniorprofessor für Internationale Beziehungen an der Eliteuniversität Stanford war es steil bergauf gegangen. 1985 wurde sie von Brent Scowcroft, dem ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater Präsident Fords, als außenpolitisches Talent "entdeckt". Als er die gleiche Position unter Präsident George H. W. Bush übernahm, avancierte Frau Rice zur Sowjetexpertin im Nationalen Sicherheitsrat. Während der turbulenten Jahre von 1989 bis 1991 gelang es ihr, hervorragende Beziehungen zu Michail Gorbatschow und Boris Jelzin aufzubauen. Auch beim Prozess der deutschen Vereinigung vermochte sie eine nicht unwichtige Beraterrolle zu spielen.

          Bei ihrer Rückkehr nach Stanford wurde sie wieder von einflussreichen Männern gefördert. Dieses Mal war es Reagans ehemaliger Außenminister George Shultz. Er sorgte dafür, dass sie Aufsichtsratsmitglied bei so illustren Firmen wie Chevron und Hewlard-Packard wurde. Zudem beeindruckte sie den neuen Präsidenten der Universität Stanford, den aus Hamburg stammenden Juristen Gerhard Casper. Er ernannte sie zum Provost und damit zum obersten Budgetverwalter. Dass Condoleezza Rice über keinerlei Erfahrung in der Finanzadministration und im Management verfügte, stellte keinen Hinderungsgrund dar. Durch ihre Ernennung konnte praktischerweise das Image der erzkonservativen Universität aufgebessert werden. Frau Rice erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen, indem sie ein umfangreiches Kürzungsprogramm entwickelte, um das Defizit der Universität abzubauen. Elisabeth Bumiller weist darauf hin, dass Frau Rice keine besonderen ideologischen Ziele verfolgt habe, sondern nur den eigenen beruflichen Erfolg. Als sie 1998 zum ersten Mal den texanischen Gouverneur George W. Bush traf, war dieser gleich von ihr beeindruckt. Rice verfügte nicht nur über eine charmante, offene Persönlichkeit und über beachtliches außenpolitisches Wissen, sondern konnte auch kompetent und unterhaltsam über Basketball und Soccer sprechen. Es entwickelte sich eine persönliche Freundschaft.

          Doch als Nationale Sicherheitsberaterin seit dem Januar 2001 konnte sie sich nicht gegenüber solch "alten Hasen" in der Politik wie Vizepräsident Cheney, Verteidigungsminister Rumsfeld und Außenminister Powell durchsetzen. Zwar verfügte sie durch ihre enge Beziehung zum Präsidenten über eine gute Ausgangsposition, doch hatte sie keinerlei Regierungserfahrung. Sie war völlig überfordert, zwischen dem Pentagon und dem State Department zu vermitteln. Und sie konfrontierte den Präsidenten auch nur selten mit außenpolitischen Alternativen, die den Ideen der neokonservativen Vordenker um Cheney zuwiderliefen. Dies wäre der beinahe sicherste Weg gewesen, das Vertrauen von Bush zu verspielen.

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