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: Stalins unerklärter Krieg

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Zu Jahresbeginn 1951 forderte MacArthur den Abwurf von 34 Atombomben auf chinesische Städte, während Maos Truppen Seoul einnehmen konnten. Als Truman auf einer Pressekonferenz gefragt wurde, ob sich die Vereinigten Staaten "formal im Krieg" mit China befänden, meinte er ausweichend, daß Washington lediglich einen Auftrag der Vereinten Nationen ausführe. MacArthur drängte nun auf eine umfassende Seeblockade und auf den Einsatz von Tschiang Kai-schecks Nationalchinesen gegen Maos Chinesen. In diesem Sinne antwortete er auch auf das Schreiben eines republikanischen Abgeordneten, der die Schlußfolgerung des Generals Anfang April im Repräsentantenhaus verlas: "Es gibt keinen Ersatz für den Sieg." Für Truman ging es dem General aber um den "falschen Sieg". Der Präsident war sich mit dem State Department und dem Vorsitzenden der Stabschefs, General Omar N. Bradley, darin einig, daß eine Ausweitung des Krieges gegen China "der falsche Krieg am falschen Ort, zur falschen Zeit mit dem falschen Gegner" bedeute. Der eigentliche Feind - die Sowjetunion - wolle die Vereinigten Staaten in "eine gigantische Falle" locken. So gab Truman am 11. April "mit tiefem Bedauern" bekannt, "daß es Armeegeneral MacArthur nicht möglich ist, die Richtlinien der amerikanischen Regierung und der Vereinten Nationen . . . rückhaltlos zu unterstützen", was dessen Ablösung erforderlich mache. Jedoch durfte sich der General vor beiden Häusern des Kongresses rechtfertigen; er zitierte sogar am Schluß einen Spruch aus alten West-Point-Ausbildungszeiten: "Old soldiers never die, they just fade away" ("Alte Soldaten sterben nie, sie verblassen nur"). Auf die Zustimmung in Washington folgte der Jubel in New York, wo bei der Konfetti-Parade (2859 Tonnen Papier) mehrere Millionen Menschen die Straßen säumten. Erst allmählich erkannte die Bevölkerung, daß MacArthur Befehlen nicht gehorcht hatte und daß kein amerikanischer Präsident Insubordination dulden konnte.

MacArthurs Nachfolger Matthew Bunker Ridgway konnte die Angreifer bis zum 38. Breitengrad zurückwerfen, so daß im Juli 1951 Waffenstillstandsverhandlungen begannen, die sich bis zum 27. Juli 1953 hinzogen: "Wir wissen heute, daß es Stalin war, der die Beendigung des Krieges letztlich verhinderte. Kim Il-sung wollte ein Ende, aber auch Mao. Im August 1952 ließ Stalin mitteilen, daß der Krieg in Korea eine nützliche Form der Erziehung sei, in einem Krieg, der wenig koste, mit Ausnahme von Menschen, die entbehrlich seien. Stalin lieferte jene Waffen, die die Chinesen benutzten . . . Im Übrigen flogen seine Piloten - in chinesischen Uniformen - weiter in den MiGs - mit chinesischen Hoheitszeichen - gegen amerikanische F-86 Jäger. Washington war damals jedenfalls nicht klar, daß es Stalin war, der an einer Fortsetzung des Krieges interessiert war, um Mao weiter in Abhängigkeit zu halten." Erst Stalins Tod im März 1953 habe den Weg freigemacht für eine Beendigung des Krieges, auf den der Kreml-Diktator schon 1949 hingearbeitet hatte. Dennoch vertrat die Sowjetunion bis zu ihrem Zusammenbruch 1991 und Nordkorea unter Führung von Kim Il-sungs Sohn Kim Jong-il bis heute die These, daß am 25. Juni 1950 südkoreanische Truppen zuerst den Norden angegriffen und Nordkorea sich nur verteidigt hätte.

Die durch 93 Fotos, mehrere Karten und sechs faksimilierte Dokumente angereicherte packende Darstellung des "Wendepunkts des Kalten Krieges" (Truman) stützt sich auf eine umfangreiche Sekundärliteratur, auf fast vierzig einzeln aufgelistete Websites und zehn Fernsehdokumentationen - eine davon produzierte Steininger zum dreißigsten Jahrestag des Kriegsbeginns in Korea gemeinsam mit Heribert Schwan. Die schon 1980 gestellten Fragen könne man heute beantworten, schreibt Steininger. Allerdings lägen über koreanische und chinesische Verluste nach wie vor keine konkreten Zahlen vor: "Südkorea verlor etwa eine Million Menschen (Soldaten und Zivilisten), Nordkorea 2,5 Millionen und China eine Million." Die Zahl der amerikanischen Toten wird auf dem 1995 in Washington eingeweihten "Korean War Veterans Memorial" auf 54 246 beziffert - was auf Rechenfehler zurückzuführen sei und vom Pentagon im Jahre 2003 auf 36 570 korrigiert worden sei. Mittlerweile werden die amerikanischen Verluste mit 36 914 Soldaten für die drei Jahre des Korea-Krieges und mit 58 135 Soldaten für die acht Jahre des Vietnam-Krieges angegeben. Trotz der vielen Opfer in einem - vergleichsweise - kurzen - Zeitraum sei der Korea-Krieg in den Vereinigten Staaten über Jahrzehnte ein weitgehend "vergessener Krieg" zwischen dem "guten" Zweiten Weltkrieg und dem "schlechten" Vietnam-Krieg geblieben.

RAINER BLASIUS.

Rolf Steininger: Der vergessene Krieg. Korea 1950-1953. Olzog Verlag, München 2006. 247 S., 24,90 [Euro].

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