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: Stalin und die Deutschen

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"Der Schmerz war neu, rein. Mit Skepsis nicht vermischt. Dozenten drückten ihm stammelnd die Hand - es war, als ob ein liebster, engster Verwandter gestorben wäre. Ihrer aller Vater. Am Nachmittag in einer Feier wurde eine Stellungnahme des ZK verlesen, der Direktor sprach, danach ein Student, ihnen versagte die Stimme.

          "Der Schmerz war neu, rein. Mit Skepsis nicht vermischt. Dozenten drückten ihm stammelnd die Hand - es war, als ob ein liebster, engster Verwandter gestorben wäre. Ihrer aller Vater. Am Nachmittag in einer Feier wurde eine Stellungnahme des ZK verlesen, der Direktor sprach, danach ein Student, ihnen versagte die Stimme. Den Jungs standen Tränen in den Augen, die Mädchen weinten. Keine Musik, kein Gesang. Es schien, als forderte jeder Schritt, jedes Wort eine ungeheure Kraft. Tag und Nacht lösten sich die Posten an der Büste ab. Jedem im Hause sollte vergönnt sein, hier zu wachen. Es war, als ob die Welt stehenbleiben müßte. Alle Hoffnungen waren so auf ihn gelenkt worden, in ihm schien alle Kraft geballt zu sein." So schilderte 1981 der bekannte DDR-Schriftsteller - und spätere DDR-Kritiker - Erich Loest in seiner Autobiographie, wie er den Tod jenes Mannes erlebte, der im Mittelpunkt des hier anzuzeigenden Sammelbandes mit vierzehn Beiträgen steht.

          In der Einleitung verweist Herausgeber Jürgen Zarusky auf demoskopische Umfragen in Russland zwischen 1998 und 2003, wo auf die Frage "Was für eine Rolle hat Stalin in der Geschichte Russlands gespielt - eine positive oder eine negative?" im Februar 2003 noch 47 Prozent der Befragten eine positive, 19 Prozent eine negative Antwort gaben. Interessant wäre die Antwort auf die Frage in Deutschland gewesen, welche Rolle Stalin hier gespielt hat. Egal wie sie ausgefallen wäre, eines ist sicher, worauf der Herausgeber ebenfalls hinweist: dass nämlich "Stalin auch ein deutsches Problem" ist. Er bestimmte die Geschichte Deutschlands in mehrfacher Hinsicht vor Hitler, mit Hitler und vor allem nach Hitler. An dieser Sichtweise orientieren sich die einzelnen Beiträge.

          Denkt man als (West-)Deutscher an Stalin, so treten wohl zwei Ereignisse in den Mittelpunkt: zum einen der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und die Stalin-Note aus dem Jahr 1952, aber auch das Thema Kriegsgefangene. Andreas Hilger schildert Erlebnisse und Erfahrungen deutscher Kriegsgefangener in Stalins Sowjetunion. Wir kennen das Schicksal von Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft - von 5,7 Millionen kamen 3,3 Millionen um. Auch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war es schlimm - aber nicht so schlimm. Das sowjetische System brauchte arbeitsfähige Gefangene, was allerdings keine Garantie fürs Überleben war. Die Gesamtsterblichkeit in den Lagern betrug mindestens 15 Prozent, wahrscheinlich aber bis zu 30 Prozent.

          Sergej Slutsch von der Akademie der Wissenschaften Russlands widmet sich "Stalin und Hitler 1933-1941. Kalküle und Fehlkalkulationen des Kreml". Demnach ging während dieses ganzen Zeitraumes "das Interesse an einer Verbesserung der politischen Beziehungen von Stalin aus", der allerdings "den Politiker Hitler einfach nicht verstand, der nur ein einziges Argument akzeptierte - Stärke." Stalin also der Naive? Das ist schwer zu glauben.

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