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: Spätfolgen

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In den frühen 1950er Jahren warf der Kalte Krieg dunkle Schatten auf die Weltpolitik. Doch gab es damals und später auch internationale Konflikte, die mit dem Kalten Krieg direkt nichts zu tun, vielmehr eigene Wurzeln und Verschärfungsmomente hatten. Dazu gehört die sich anbahnende Welle von Entkolonialisierungskonflikten.

          In den frühen 1950er Jahren warf der Kalte Krieg dunkle Schatten auf die Weltpolitik. Doch gab es damals und später auch internationale Konflikte, die mit dem Kalten Krieg direkt nichts zu tun, vielmehr eigene Wurzeln und Verschärfungsmomente hatten. Dazu gehört die sich anbahnende Welle von Entkolonialisierungskonflikten. Einer davon spielte sich zwischen dem Iran und Großbritannien ab. Dabei ging es hauptsächlich um die Anglo-Iranian Oil Company, deren Gewinne vornehmlich den Briten zugutekamen. Iran war zu dieser Zeit eine Monarchie mit demokratischen Einsprengseln. Der Monarch Reza Pahlewi besaß wenig politisches Geschick. Die beherrschende Figur der iranischen Politik zu dieser Zeit war Mohammed Mossadegh, ein westlich gebildeter Nationalist und politischer Visionär, glühender Feind des britischen Imperialismus. Kaum Ministerpräsident geworden, ließ er im Parlament die Verstaatlichung des Ölkonzerns beschließen. In den nächsten zwei Jahren tobte ein bitterer diplomatischer Kampf zwischen den Briten, die dies rückgängig machen wollten, und den iranischen Nationalisten. Die Briten planten, Mossadegh mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln aus seinem Amt zu vertreiben. Das gelang ihnen nicht, solange die Vereinigten Staaten sie nicht aktiv unterstützten, wozu Präsident Truman keinen Anlass sah. Sein Nachfolger, Präsident Eisenhower, schwenkte schließlich auf die britische Linie ein, weil es Churchill gelungen war, ihn davon zu überzeugen, dass Mossadegh letztlich dem Kommunismus in Iran Tür und Tor öffnen würde. Ein vom CIA handwerklich brillant inszenierter Putsch im August 1953 war erfolgreich. Mossadegh wurde aus dem Amt gejagt, der Schah übernahm die Macht.

          Stephen Kinzer hat die Hintergründe des Konflikts, die Akteure des Umsturzes und seinen Verlauf präzise und spannend geschildert. Seinem Buch liegt umfangreiches Quellenmaterial zugrunde. Zweifellos war der Putsch, die erste einer Reihe von Regime-Change-Operationen des CIA, kurzfristig erfolgreich, aber mittel- und langfristig hat er den amerikanischen Interessen nachhaltig geschadet, Iran sowieso. Wer die aktuelle Politik Irans verstehen will, muss die Ereignisse von 1953 und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung dieses Landes kennen.

          WILFRIED VON BREDOW

          Stephen Kinzer: Im Dienste des Schah. CIA, MI6 und die Wurzeln des Terrors im Nahen Osten. Aus dem Amerikanischen von Brigitte Döbert. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2009. 318 S., 19,95 [Euro].

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