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: So etwa drei Billionen Dollar

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Joseph Stiglitz, 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet, lehrt an der Columbia University in New York, Linda Bilmes ist Professorin an der Kennedy School of Government der Harvard University. Beide verfügen auch über praktische Erfahrungen in Politik und Verwaltung. "Wir sind entschiedene Gegner ...

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          Joseph Stiglitz, 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet, lehrt an der Columbia University in New York, Linda Bilmes ist Professorin an der Kennedy School of Government der Harvard University. Beide verfügen auch über praktische Erfahrungen in Politik und Verwaltung. "Wir sind entschiedene Gegner des Irak-Krieges", schreiben die Autoren, "und wir waren es von Anfang an." Für sie waren alle Entscheidungen von Präsident Bush und seiner Administration falsch, vom Entschluss, die Diktatur Saddam Husseins mit Gewalt zu überwinden, bis zu den Truppenabzugsüberlegungen für die Zukunft.

          Aber nicht die Auseinandersetzung um das Pro und Contra der amerikanischen Außenpolitik im Nahen Osten steht im Mittelpunkt dieses eigentümlich schief komponierten Buches. Vielmehr geht es erstens um eine Kritik am Finanzgebaren und an der Verschleierung der Kosten des Krieges im Irak, wobei allerdings manchmal der Irak-Krieg und der Krieg in Afghanistan als Einheit gesehen und gerechnet werden. Zweitens geht es um ein Thema, das verdient hätte, alleine im Mittelpunkt dieses Buches zu stehen, nämlich um die aus bürokratischer Engstirnigkeit und Unprofessionalität entstehenden Probleme und Schwierigkeiten der Kriegsveteranen, deren gesundheitliche Pflege und finanzielle Versorgung offenbar erhebliche Defizite aufweisen.

          Der Kritik an der Buchführung der Regierung und der mangelhaften Offenlegung der Kriegskosten stellen die Autoren zwei Modellrechnungen gegenüber, in denen sie unter Einbeziehung der Opportunitätskosten und von Kalkülen über die Zinsentwicklung sozusagen ganz präzise über den Daumen peilen, was denn nun die "wahren Kosten" des Krieges sind. Die Zahl, die sie den Lesern einprägen wollen, lautet: drei Billionen. Eine Billion ist eine Eins mit zwölf Nullen. Das ist für die allermeisten unvorstellbar hoch, und das ist eigentlich auch die Botschaft hinter der Botschaft: Der Krieg verschlingt unvorstellbar viele Mittel, wohingegen der Nutzen für die Vereinigten Staaten gleich null ist. Allenfalls die Öl- und die privaten Sicherheitsfirmen würden von dem Krieg profitieren.

          Nichts gegen eine komplexe Sachverhalte und auch verdeckte Ausgaben einbeziehende Kostenrechnung. Aber Politik und politische Entscheidung lassen sich nicht restlos in die Zahlenterminologie der Wirtschaft übersetzen. Zwar ist Stiglitz eine Kapazität auf dem Gebiet solcher Art ökonomisierter Politik. Aber seine Modellrechnungen mit ihren mal "gemäßigten", mal "realistischen" Annahmen basieren zu großen Teilen genau darauf - auf Annahmen. Und die sind letztlich von seinen politischen Überzeugungen geleitet, zum Beispiel davon, dass Irak-Krieg und Krieg in Afghanistan politisch gleichermaßen abzulehnen sind. Trotzdem ist nicht zu leugnen, dass vor allem die hier formulierte Kritik an den Buchführungstricks, Verharmlosungen und oft auch verblendet-naiven Kostenvorstellungen von hochrangigen Mitarbeitern in der Bush-Administration völlig berechtigt ist.

          Das andere Thema des Buches, auf das sein Titel überhaupt nicht aufmerksam macht, ist die defizitäre Veteranenpolitik der Vereinigten Staaten. Die Untersuchungen von Linda Bilmes haben zutage gefördert, dass es einen großen Rückstand unerledigter Anträge von Veteranen auf Invalidenrente oder medizinische Versorgung gibt, unverhältnismäßig lange Bearbeitungszeiten bei Erstanträgen, hohe Fehlerquoten bei der Antragsbearbeitung (durchschnittlich 12 Prozent) und eine uneinheitliche Anerkennungspraxis in verschiedenen Regionen. Der administrative Übergang vom Pentagon zur Veteranen-Versorgungsbehörde funktioniert nur schlecht. Es gibt einen großen Bedarf für Behandlungen von Schädelhirntraumata und psychischer Erkrankungen. Die Liste der Defizite ließe sich noch verlängern. Einigermaßen fassungslos muss man zur Kenntnis nehmen, dass ein so reiches Land wie die Vereinigten Staaten aus Gründen von Unorganisation und gleichzeitiger Überorganisation nicht in der Lage ist, denjenigen, die ihr Leben und ihre Gesundheit für die Nation aufs Spiel gesetzt haben, die daraus resultierenden Beschädigungen einigermaßen befriedigend zu kompensieren.

          Die vielen Kostentabellen in diesem Band und auch die nicht enden wollenden Hinweise zur Methode ihrer Berechnung lassen einen ziemlich kalt, weil sie zwar präziser als die Regierungszahlen sein mögen, aber letztlich doch nur bestätigen, was schon lange bekannt ist, nämlich dass der Irak-Krieg enorm teuer ist. Die Misshelligkeiten bei der Veteranenversorgung gehen demgegenüber wirklich ans Eingemachte. Ein Staat, der diejenigen vernachlässigt, die sich für ihn in die Bresche geworfen haben, produziert seine Legitimitäts- und Loyalitätsdefizite selbst.

          WILFRIED VON BREDOW

          Joseph Stiglitz/Linda Bilmes: Die wahren Kosten des Krieges. Wirtschaftliche und politische Folgen des Irak-Konfliktes. Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt. Pantheon Verlag, München 2008. 304 S.,16,95 [Euro].

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