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: Schutt und Asche

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DIE MEISTEN BOMBEN des Zweiten Weltkriegs fielen auf Soldaten - in der allgemeinen Erinnerung jedoch blieben die Opfer unter der Zivilbevölkerung. Rolf-Dieter Müller zeigt, wie mit der Entwicklung zuverlässiger Luftfahrzeuge eine Revolution in der Kriegführung einherging. Während sich in Großbritannien die ...

          DIE MEISTEN BOMBEN des Zweiten Weltkriegs fielen auf Soldaten - in der allgemeinen Erinnerung jedoch blieben die Opfer unter der Zivilbevölkerung. Rolf-Dieter Müller zeigt, wie mit der Entwicklung zuverlässiger Luftfahrzeuge eine Revolution in der Kriegführung einherging. Während sich in Großbritannien die Royal Air Force als unabhängige Teilstreitkraft emanzipierte, blieb Hermann Görings Luftwaffe immer den Bedürfnissen des Heeres dienstbar. Nicht nur in der Luftschlacht über England sollte sich dieser Mangel bemerkbar machen: Im Krieg gegen die Sowietunion war es nicht möglich, die feindliche Rüstungsindustrie zu treffen. Guernica, Warschau und Rotterdam waren keine Terrorangriffe auf die Zivilbevölkerung, sondern operative Unterstützung von Bodentruppen. Die starken Zerstörungen und die Verluste unter der Zivilbevölkerung waren technisch bedingt. Der strategische Luftkrieg wurde im Mai 1940 von Großbritannien mit einer Offensive gegen das Ruhrgebiet und Norddeutschland eröffnet, zu einem Zeitpunkt, als Winston Churchill seine Bereitschaft demonstrieren wollte, den Krieg fortzusetzen. Der Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung blieb umstritten, zweimal war er Thema von Parlamentsdebatten. Amerikaner und Briten verfolgten dabei durchaus unterschiedliche Ziele: Die Briten setzten auf die Zerstörung von Industrie und Verkehrswegen in Städten, auch um Angst und Schrecken zu verbreiten, die Amerikaner griffen gezielt die zur Treibstoffversorgung notwendigen Einrichtungen und Industrien an. Luftstreitkräfte konnten diesen Krieg jedoch nicht allein entscheiden, er endete erst, als alliierte Bodentruppen fast das ganze Deutsche Reich besetzt hatten. Müller stellt die Bedingtheiten im historischen Kontext dar, ohne sich der Wertungen zu enthalten. Das gelungene Buch kann dazu beitragen, die derzeit politisierte Debatte zu versachlichen. (Rolf-Dieter Müller: Der Bombenkrieg 1939-1945. Ch. Links Verlag, Berlin 2004. 270 Seiten, 24,90 [Euro].

          KLAUS A. LANKHEIT

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