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: Scharfe Kontraste

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ERICH VON MANSTEIN. Eine Geschichte wie die deutsche hat zwangsläufig viele militärische Begabungen hervorgebracht. Aber auch in dieser Gruppe gab es noch eine Spitze. Zu ihr gehört zweifellos der Generalfeldmarschall Erich von Manstein. Seine Biographie hat bisher keine angemessene Beschreibung gefunden - was nicht nur daran liegt, daß sein Nachlaß noch immer nicht zur Verfügung steht.

          ERICH VON MANSTEIN. Eine Geschichte wie die deutsche hat zwangsläufig viele militärische Begabungen hervorgebracht. Aber auch in dieser Gruppe gab es noch eine Spitze. Zu ihr gehört zweifellos der Generalfeldmarschall Erich von Manstein. Seine Biographie hat bisher keine angemessene Beschreibung gefunden - was nicht nur daran liegt, daß sein Nachlaß noch immer nicht zur Verfügung steht. Auch die Widersprüche dieses Lebens - die Diskrepanz von militärischer Hochbegabung und politischem (und damit auch moralischem) Versagen - erschweren ein Urteil. Denn die brillanten militärischen Erfolge stehen in einem denkbar scharfen Kontrast zu seiner Hinnahme des Judenmords, zu seiner unbarmherzigen Besatzungspolitik auf der Krim und zu seiner Verweigerung gegenüber dem militärischen Widerstand. Das Bild des Generalfeldmarschalls wirkt also wie das eines Januskopfes - so lautet jedenfalls die These von Marcel Stein, der 1940 als französischer Offizier (und deutscher Emigrant) gewissermaßen zum Opfer von Mansteins Sichelschnittplan wurde. Nach seiner Pensionierung als israelischer Manager hat sich Stein als Amateur, aber höchst engagiert und kenntnisreich mit vielen Themen der Militärgeschichte auseinandergesetzt, darunter Manstein, den er früher noch kritischer beurteilte. Stein fächert die Summe dieses Soldatenlebens in viele Richtungen auf: militärisch, politisch und ganz einfach menschlich. Dabei ist Steins Darstellung mehr als nur eine Zusammenfassung einer breiten Literatur und vieler unveröffentlichter Quellen, sie enthält viele wichtige Informationen und kluge Einsichten, die hier frei von jedem wissenschaftlichen Ballast präsentiert werden. Vor allem aber: Hier schreibt jemand vom Krieg, der wirklich etwas davon versteht und der an diesem Thema ein genuines Interesse hat. Aber ist dies bereits die definitive Biographie Mansteins? Wohl kaum. Das Buch ähnelt über weite Passagen eher einer Quellensammlung als einer wirklich historiographischen Darstellung, es ist zuweilen sprunghaft und wirkt nicht in all seinen Teilen ausgereift. Trotzdem ist jeder, der sich mit der Biographie des Generalfeldmarschalls von Manstein auseinandersetzen will, gut beraten, wenn er künftig Steins Darstellung konsultiert, die nicht allein durch Literatur- und Quellenkenntnis des Autors überzeugt, sondern mehr noch durch sein stets abgewogenes Urteil. (Marcel Stein: Der Januskopf. Feldmarschall von Manstein. Eine Neubewertung. Biblio Verlag, Bissendorf 2004. 504 Seiten, 36, - [Euro].)

          CHRISTIAN HARTMANN

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