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: Ruhmsucht

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Ein "weiteres Buch über Hitler" - so meint Heinz Schreckenberg - sei nur durch neue Quellen oder neue Ideen gerechtfertigt. Die durch jüngere Editionen zugänglich gewordenen Quellen erlauben tatsächlich, differenziertere Vorstellungen von Hitler zu gewinnen. In Schreckenbergs biographischem Teil findet der Leser aber weder neue Tatsachen noch neue Interpretationen zu Hitlers Lebensweg.

          Ein "weiteres Buch über Hitler" - so meint Heinz Schreckenberg - sei nur durch neue Quellen oder neue Ideen gerechtfertigt. Die durch jüngere Editionen zugänglich gewordenen Quellen erlauben tatsächlich, differenziertere Vorstellungen von Hitler zu gewinnen. In Schreckenbergs biographischem Teil findet der Leser aber weder neue Tatsachen noch neue Interpretationen zu Hitlers Lebensweg. Im sachthematischen Teil arbeitet er die Ruhmsucht als Triebfeder eines Großteils der nationalsozialistischen Führungsclique gut heraus. In ihrer Diesseitsbezogenheit sahen sie die einzige Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erreichen, also durch ihr Wirken in die Geschichte einzugehen. Ob im Positiven oder im Negativen, war gleichgültig. So können selbst die Ungeheuerlichkeiten der Verbrechen erklärt werden.

          Die Wortwahl des Autors ist sehr emotional, es mangelt an Distanz zum Gegenstand. So sind die Charakterisierungen Hitlers als "Schurke" und "Desperado" in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung unbrauchbar. Besser geeignet ist da schon die verwendete Metapher "Schauspieler". Leider unterläßt es Schreckenberg, sie weiter auszureizen: War Hitler auch Autor und Regisseur seiner Inszenierung? Eine geschlossene Weltanschauung spricht der Autor dem "Führer" ab. Er habe lediglich das zeitgenössische "gängige völkische, rassistische und sozialdarwinistische Gedankengut" zusammengefaßt. Warum konnte dann Hitler auf der Weltbühne eine so große Rolle spielen und schon vor 1933 fast die Hälfte der Deutschen für sich begeistern? Er versprach allen alles, so die kurze Erläuterung. Eine solche - für Politiker nicht gerade ungewöhnliche - Methode erklärt jedoch nicht Hitlers Überzeugungskraft sowohl im persönlichen Gespräch als auch vor großem Publikum. Die Untersuchung enthält viele interessante Einzelbeobachtungen. Im eigentlichen Wortsinne originell sind sie nicht.

          KLAUS A. LANKHEIT

          Heinz Schreckenberg: Hitler. Motive und Methoden einer unwahrscheinlichen Karriere. Eine biographische Studie. Peter Lang - Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt 2006. 214 S., 19,80 [Euro].

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