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Rezension: Sachbuch : Wer waren Stalins Vollstrecker?

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Während des Großen Terrors vom Sommer 1937 bis zum Ende 1938 verlieh Stalin dem NKWD unter seinem Leiter Nikolaj Jeschow fast unbegrenzte Vollmachten, um den gesamten Staats- und Parteiapparat blutig zu "säubern", die Angehörigen verdächtiger Nationalitäten zu verhaften und alle "unzuverlässigen Elemente" zu vernichten. Der Diktator wollte so die von ihm gefürchtete fünfte Kolonne im eigenen Land ausmerzen.

In dieser Zeit wandelte sich die NKWD-Führung selbst in hohem Maße, wie die Autoren anhand ihrer statistischen Auswertungen zeigen. Der Große Terror traf den NKWD selbst und führte zu einer Verjüngung, Proletarisierung und Russifizierung der Geheimdienstführung. War vor Beginn des Großen Terrors die Mehrheit der NKWD-Führer 40 Jahre und älter, so stellten zwei Jahre später die 30 bis 35 Jahre alten Tschekisten die Mehrheit. Hatten 1934 noch fast 60 Prozent ihre Ausbildung vor der Revolution erhalten, waren es 1939 nur noch vier Prozent. Entsprechend sank die Zahl derer, die aus bürgerlichen Kreisen (Angestellte, Kaufleute, Unternehmer, Kleingewerbetreibende) stammten: 1934 machten sie mehr als die Hälfte der NKWD-Führung aus, bis 1939 sank ihr Anteil auf zehn Prozent. Entsprechend stieg die Zahl der führenden Geheimdienstfunktionäre proletarischer und bäuerlicher Herkunft, von 40 Prozent im Jahre 1934 auf 80 Prozent 1939.

Hatte Stalin schon Mitte der zwanziger Jahre im Kampf gegen die linke "jüdische" Opposition alle jüdischen Parteiführer (Trotzkij, Sinowjew, Kamenjew und andere) aus dem Politbüro und anderen führenden Parteigremien verdrängt und sie in den Jahren 1927 bis 1929 aus der Partei ausgeschlossen, so hatte er die Vormachtstellung der Juden im Geheimdienst 1934 noch nicht angetastet. Damals betrug der Anteil der Juden in der Führung des NKWD fast 40 Prozent, bei einem jüdischen Bevölkerungsanteil von etwa zwei Prozent.

Auch in absoluten Zahlen stellten die Juden (37) vor den Russen (30) die größte Gruppe in der Führung des stalinistischen Geheimdienstes. Der russische Volksmythos vom "jüdischen NKWD" hatte also einen realen Bezug. Die Nazis, die über diese Tatsachen genau Bescheid wussten, nutzten dies für ihre Propaganda vom jüdisch-bolschewistischen Terrorregime, das es zu vernichten gelte.

Der Große Terror brachte allerdings auch hier eine Wende: Eingestellt wurden vor allem Russen und Ukrainer. "Gesäubert" wurde der Apparat unter anderen von den Juden. Ihr Anteil in der NKWD-Führung sank von fast 40 Prozent auf etwa vier Prozent im Jahre 1939. Fand also Stalins antijüdische Wende, die sich nach dem Krieg 1948/49 in der Antikosmopolitismuskampagne manifestierte, die aber schon 1942 nachzuweisen ist, schon Mitte der dreißiger Jahre statt?

Es gab "Feindvölker". So wurden die polnischen, lettischen und deutschen Funktionäre des NKWD verhaftet und ausnahmslos erschossen. Das war Teil der vom Politbüro 1937 und 1938 beschlossenen "nationalen Operationen" des NKWD, in deren Zug hunderttausende Sowjetbürger aus "feindlichen Nationen" verhaftet und erschossen wurden. Das alles ist in Dokumenten belegt, allerdings wurden die Juden dabei - im Gegensatz zu Polen, Deutschen, Letten, Finnen, Bulgaren und vielen anderen - nie genannt.

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