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Rezension: Sachbuch : Wehrmacht und Kriegsverbrechen

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Ein Sammelband bemüht sich um ein wirklichkeitsnahes Bild

          Hans Poeppel, Wilhelm-Karl Prinz von Preußen, Karl-Günther v. Hase (Herausgeber): Die Soldaten der Wehrmacht. Mit einem Vorwort von Gerhard Stoltenberg. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 1998. 592 Seiten, 39,90 Mark.

          Dieses Buch entstand aus dem Verlangen seiner Herausgeber, der "Wehrmachtausstellung" von Heer, Naumann und Reemtsma ein wirklichkeitsnäheres Bild der Wehrmacht in Hitlers Krieg entgegenzustellen. Das Buch handelt, zu seinem Vorteil, nicht allgemein von "den Soldaten" in seinem Titel, sondern von jenen kritischen Stellen, an denen sich NS-Ideologie und Vernichtungswille der politischen Führung mit tradierten Wertbegriffen der deutschen Armee berührten, kreuzten oder sie beseitigten.

          Dreizehn Autoren behandeln besonders umstrittene Fragen, unter ihnen die politische Erziehung des Offizierskorps (Gustav-Adolf Caspar), das zwiespältige Verhältnis der höchsten Offiziere zum Regime und ihr Unvermögen, Hitler geschlossen den Gehorsam zu verweigern (Romedio Galeazzo Graf Thun-Hohenstein), die Beachtung und Mißachtung des Kriegsvölkerrechts zu Lande im Rußlandfeldzug (Horst Rhode), in der Luft (Horst Boog) und zur See (Helmut Schmoeckel), die Militärjustiz (Franz W. Seidler), den Partisanenkrieg im Osten (Klaus Hammel, Wolfgang Hasch, Gustav Friedrich), sowie Versuche, den quantitativen Umfang der Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen im Osten zu ermessen (Horst Rhode, Andreas Broicher, Alfred de Zayas und Walter Post). Manche Beiträge überschneiden sich teilweise. Doch hat das auch einen Vorzug, daß die unabhängig voneinander entstandenen Beiträge auch einander bestätigen, daß Angehörige der Wehrmacht sich relativ selten systematisch begangener Kriegsverbrechen schuldig machten, häufiger jedoch einzelne Einheiten peripher, zum Beispiel durch weiträumige Absperrungen, an Massenmorden des SD und der Polizeiverbände im rückwärtigen Heeresgebiet beteiligt waren.

          Eng aber war die Zusammenarbeit bei der ihnen gemeinsam aufgetragenen Partisanenbekämpfung. Sie war gegenüber wirklichen Partisanenverbänden eine unabweisbare militärische Notwendigkeit, freilich völkerrechtlich sehr unzureichend geregelt und damit offen für die Unterdrückung einer grausamen Kampfführung mit Grausamkeiten. Gleichzeitig benutzten SS-Verbände und von ihnen geführte nichtdeutsche Milizen den Begriff der Partisanenbekämpfung zur Tarnung ihrer Mordaktionen. Höhere Stäbe des Feldheeres waren durch Mitwisserschaft beteiligt, da die Einsatzgruppen des SD gehalten waren, ihnen Meldung zu erstatten, die nicht selten unvollständig und verschleiernd, wiewohl durchsichtig formuliert war. Ihren eigenen Vorgesetzten im Reichssicherheitshauptamt der SS berichteten die Einsatzgruppen anders.

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