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Rezension: Sachbuch : Wechselwünsche

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BUNDESTAGSWAHL 1998. Gewann die SPD am 27. September nur dank einer gelungenen Inszenierung ihres Wahlkampfes und des Spitzenkandidaten? Hatte allein der "ewige Bundeskanzler" Kohl die Niederlage der schwarz-gelben Regierung zu verantworten? Oder führten langfristige Trends und Verschiebungen innerhalb ...

          BUNDESTAGSWAHL 1998. Gewann die SPD am 27. September nur dank einer gelungenen Inszenierung ihres Wahlkampfes und des Spitzenkandidaten? Hatte allein der "ewige Bundeskanzler" Kohl die Niederlage der schwarz-gelben Regierung zu verantworten? Oder führten langfristige Trends und Verschiebungen innerhalb des Parteiengefüges den Machtwechsel herbei? Antworten auf diese Fragen bietet Knut Bergmanns Studie. Die Wahlen seien nicht wegen des CDU-Spitzenkandidaten verloren worden, obwohl diesen ein gehöriges Maß an Mitschuld treffte. Vielmehr waren eine ganze Reihe von Fehlern in der CDU-Wahlkampfstrategie nicht weniger ausschlaggebend. Dagegen hatten der Herausforderer das bessere Konzept: Angefangen mit der sogenannten Kampa '98, der Beratung durch Wahlkampffachleute der Labour Party, der Einführung des Begriffes "Neue Mitte" bis zu unkonventionellen Werbetexten fügte die SPD ihre "Bausteine" zu einem überzeugenden Gesamtbild zusammen, dem die Union nichts Vergleichbares entgegenzusetzen hatte. Helmut Kohl wurde in den Umfragen trotz aller Verdienste als "ein Politiker der Vergangenheit" bewertet. Hinzu kam der überwältigende Wunsch nach einem Regierungswechsel. Dennoch, das unterschiedliche Ansehen der Kandidaten und die Pannen der Union waren nicht die ausschlaggebenden Faktoren für den Wahlausgang. Diese sieht Bergmann vielmehr in der gesamtwirtschaftlichen Lage, der Verunsicherung breiter, eher CDU-naher Wähler über die beschlossene Rentenabsenkung, im sogenannten Reformstau (vor allem das Scheitern der Steuerreform) und besonders in der Höhe der Arbeitslosenzahlen. Gerhard Schröders Image als "Modernisierer" und Oskar Lafontaines Anspruch, die angebliche "Gerechtigkeitslücke" wieder schließen zu wollen, hatte die Union nichts Vergleichbares gegenüberzustellen. Bergmann kommt unter Abwägen aller weiteren Komponenten (wie Ansehen der Spitzenkandidaten, Organisation der Kampagnen, konsequente Zielgruppen-Orientierung des SPD-"Marketingwahlkampfes") zu der Schlußfolgerung, daß das Ergebnis des Jahres 1998 "mehr als nur dem Willen der Wähler nach einem Austausch des politischen Personals entsprach, nämlich dem Wunsch nach einem Politikwechsel". Das Buch legt die Stärken sowie Schwächen der politischen Kontrahenten überzeugend offen. (Knut Bergmann: Der Bundestagswahlkampf 1998. Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis. Westdeutscher Verlag, Opladen 2002. 377 Seiten, 34,90 Euro.)

          UDO KEMPF

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