https://www.faz.net/-gqz-6qnm8

Rezension: Sachbuch : Vertan. Vergeudet. Vergebens.

  • Aktualisiert am

Ein überflüssiges Buch über Entwicklungshilfe

          4 Min.

          Werner G. Keweloh: Dauertropf Entwicklungshilfe. Vertan? Vergeudet? Vergebens? Erfahrungen eines Insiders. Universitas Verlag, München 1997. 464 Seiten, 39,90 Mark.

          Gegen Alleswisser ist schwer anzukommen, weil sie eben immer schon alles gewußt haben, besser als alle anderen. Einen solchen Fall haben wir hier vor uns. Selbst eine Reihe verlorener Prozesse hat den Autor nicht davon abhalten können, "unbekümmert von Anfeindungen", wie es im Werbetext des Verlages für sein Buch heißt, gegen seine früheren Arbeitgeber zu Felde zu ziehen, denen er vorwirft, sich an den Mitleidsgaben von Spendern zu bereichern, und die Meinung zu vertreten, "daß die Entwicklungshilfe in der gegenwärtigen Form die Eigeninitiative lähmt und zu einer gigantischen Korruption führt".

          Über diese These ließe sich diskutieren, nur nicht in der Form, in der das bei Keweloh geschieht. Es gibt Leute, die bekommen überall Streit, wohin es sie auch verschlägt. Zu dieser Kategorie scheint Keweloh zu gehören. Selbst Leser, die schon immer davon überzeugt waren, daß Entwicklungshilfe für die Dritte Welt in ein Faß ohne Boden falle, und die nach immer neuen Bestätigungen ihres Vorurteils suchen, werden bei der Lektüre dieses Buches womöglich Zweifel bekommen, ob der Verfasser wirklich als ein Bundesgenosse taugen kann. Wer seinem "Unmut über den Mythos des organisierten Mitleids" so polemisch Luft macht wie Keweloh, der läuft Gefahr, daß seine Übertreibungen am Ende kontraproduktiv wirken.

          Daß die entwicklungspolitische Zusammenarbeit eine schwierige Aufgabe sein würde, wußte man von Anfang an. Ebenso klar war, daß es Rück- und Fehlschläge geben, daß die Wirkung von Hilfe bei den Partnern, aufs Ganze gesehen, bescheiden sein würde. Um das zu erkennen, brauchte es nicht die "Erfahrungen eines Insiders", der in Wahrheit bei seiner Tätigkeit als Berater in der Erwachsenenbildung in Afrika gar keine außergewöhnlichen "Insider"-Kenntnisse erwerben konnte, sondern nur als einer von vielen tausend anderen Entwicklungshilfeexperten draußen einige Erfahrungen sammelte, die er nun auf ziemlich anfechtbare Weise verallgemeinert.

          Weitere Themen

          Mehrere Wasserhosen über Genua Video-Seite öffnen

          Wetterphänomen : Mehrere Wasserhosen über Genua

          Die Sichtung der Wasserhosen über Genua wurde als außergewöhnlich beschrieben. Eine Wasserhose ist ein Tornado oder eine Windhose über dem Meer oder einem See. Sie entsteht, wenn kalte Luft über ein relativ warmes Gewässer strömt.

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron und Angela Merkel Ende Oktober bei der Amtseinführung von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank

          Europäische Souveränität : Macrons Schockstrategie

          Kanzlerin Merkel hat Macrons „Rundumschlag“ kritisiert. Doch der Führungsanspruch des Franzosen wirkt nur deshalb so übermächtig, weil der deutsche Ausgleich fehlt.
          Wie bei Dagobert Duck: Viele Aktivisten demonstrieren schon lange für das bedingungslose Grundeinkommen, wie hier bei einer Aktion 2013 in Zürich.

          Österreich entscheidet : Kommt das bedingungslose Grundeinkommen?

          Eine Privatinitiative fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro. Sollte das Volksbegehren Erfolg haben, muss sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen. Die Kosten wären höher als der gesamte Bundeshaushalt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.