https://www.faz.net/-gqz-6qcvp

Rezension: Sachbuch : Ungünstige Voraussetzungen

  • Aktualisiert am

Eine umfangreiche Untersuchung der UN-Friedensoperation in Kambodscha

          Peter Hazdra: Die UNO-Friedensoperation in Kambodscha. Vorgeschichte, Konzept, Verlauf und kritische Evaluierung der internationalen Engagements. Europäische Hochschulschriften, Reihe XXXI Politikwissenschaft, Band 322. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 1997. 481 Seiten, 118,- Mark.

          Die "United Nations Transitional Authority in Cambodia" (UNTAC) ist die umfassendste und größte Friedensoperation, welche die Vereinten Nationen bisher unternommen haben. Mit mehr als 20000 Mann an militärischem und zivilem Personal, mit einem Budget von rund zwei Milliarden Dollar sollte UNTAC einen Waffenstillstand gewährleisten, die Verwaltung des Landes kontrollieren, freie Wahlen organisieren um damit das Land aus jahrzehntelangen Kriegen und Bürgerkriegen in eine friedliche und demokratische Zukunft zu führen. Die Grundlinien des Weges dahin waren festgelegt im Friedensabkommen vom Oktober 1992, das UNTAC folgende Hauptaufgaben übertrug: die Überwachung des Waffenstillstandes, unter anderem durch die Demobilisierung der Truppen der Bürgerkriegsparteien; die Kontrolle der bestehenden Verwaltungen einschließlich der Polizei im Hinblick auf die Einhaltung der Bestimmungen des Friedensabkommens; die Organisation und die Kontrolle freier Wahlen und die Rückführung von rund 300000 Flüchtlingen aus Lagern in Thailand. Verlauf und Ergebnis der UNTAC-Mission sind sehr unterschiedlich beurteilt worden: Die UN selbst und einige beteiligte Staaten loben sie als eine der erfolgreichsten Missionen; andere betrachten ihr Ergebnis eher skeptisch, da die wichtigsten der im Friedensabkommen festgelegten Ziele nicht erreicht worden seien. Der im Juli 1997 von Kambodschas "starkem Mann", Hun Sen, inszenierte Coup scheint den Skeptikern recht zu geben.

          Zu den Skeptikern gehört auch der Verfasser des vorliegenden Buches, der als Offizier des österreichischen Bundesheeres an der UNTAC-Operation teilgenommen hat. Seiner Meinung nach hätte UNTAC zu einem wirklichen Erfolg führen können, wenn die UN und die wichtigsten beteiligten Staaten, zum Beispiel die Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, von Anfang an den politischen Willen gezeigt hätten, die Bestimmungen des Pariser Abkommens konsequent durchzusetzen, wenn nötig, auch gegen den Widerstand einer oder mehrerer der Bürgerkriegsparteien. Denn es stellte sich alsbald heraus, daß weder die Roten Khmer gewillt waren, ihre Truppen zu entwaffnen und das von ihnen beherrschte Territorium kontrollieren zu lassen, noch daß die bestehende - kommunistische - Regierung in Phnom Penh bereit war, ihre Kontrolle über Armee, Polizei, Verwaltung aufzugeben. UNTAC war deshalb mit dem Geburtsmangel behaftet, daß die Voraussetzungen für die Mission nicht so waren, wie es das Abkommen vorgesehen hatte.

          Weitere Themen

          Tote nach Überflutungen Video-Seite öffnen

          Kambodscha : Tote nach Überflutungen

          Schwere Überschwemmungen haben in Kambodscha nach heftigen Regenfällen mehreren Menschenleben gefordert. Viele Dörfer waren nur noch mit Booten zu erreichen und Tausende Familien mussten ihre Häuser verlassen.

          Topmeldungen

          Zur Arbeit auf dem Pedelc – das schon die Umwelt und langfristig die Geldbörse.

          Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Boris Johnsons Wahlkreis : „Der beste Premierminister seit Churchill“

          Boris Johnson gerät wegen der Suspendierung des Parlaments immer stärker unter Druck. Seine Anhänger wollen davon jedoch nichts wissen und stehen weiter hinter ihm. Doch wie lange noch? Beobachtungen aus dem Wahlkreis des Premierministers.
          Karl-Ludwig Kley steht dem Aufsichtsrat von Eon und der Deutschen Lufthansa vor und führte zwölf Jahre lang den Chemiekonzern Merck.

          Energiewirtschaft : „AfD und Linke sind nicht wählbar“

          Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat teilt aus: Karl-Ludwig Kley spricht über den Moralüberschuss in der politischen Debatte, gierige Manager, das Chaos mit der Energiewende – und seine schwachen Leistungen als Schüler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.