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Rezension: Sachbuch : Und die trägt er im Gesicht . . .

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Henry R. Nau: At Home Abroad. Identity and Power in American Foreign Policy. Cornell University Press, Ithaca/London 2002. 314 Seiten, 29,95 Dollar.Welchen Kurs wird Amerika steuern? In der Irak-Frage? Oder gegenüber den ängstlichen Ländern des kontinentalen Europa, wo die kulturellen Unterschiede zur ...

          Henry R. Nau: At Home Abroad. Identity and Power in American Foreign Policy. Cornell University Press, Ithaca/London 2002. 314 Seiten, 29,95 Dollar.

          Welchen Kurs wird Amerika steuern? In der Irak-Frage? Oder gegenüber den ängstlichen Ländern des kontinentalen Europa, wo die kulturellen Unterschiede zur amerikanischen Gesellschaft wieder einmal hervortreten? Natürlich kann das niemand genau beantworten, auch nicht Henry R. Nau von der Washingtoner Georgetown University. Wohl aber weiß er mit sicherem Urteilsvermögen die gegensätzlichen Strömungen im öffentlichen Diskurs der Vereinigten Staaten zu diskutieren.

          Unbestrittenerweise sind die Vereinigten Staaten heute und noch auf absehbare Zeit in jeder Hinsicht die Nummer eins im Weltstaatensystem. Doch dieselben Politiker und Experten, die dies konstatieren, ziehen aus demselben Sachverhalt die unterschiedlichsten Schlüsse. In der Kakophonie des pluralistischen Diskurses, so lesen wir jetzt, seien seit langem vier altvertraute Leitmotive zu vernehmen: erstens das Leitmotiv eines unverfälschten amerikanischen Nationalismus, oft in Tateinheit mit Neo-Isolationismus, zweitens die Vorstellungen der auch hierzulande bestens bekannten Realpolitiker vom Typ Henry Kissinger oder George Kennan, drittens das besonders heutzutage sehr beliebte Konzept selbstbewußt-wohlwollender amerikanischer Führerschaft und viertens die Weltordnungsideen der idealistischen Internationalisten.

          Dies sind gewiß keine umwerfend neuen Erkenntnisse. Doch hierzulande neigt man bekanntlich dazu, alle Aufmerksamkeit auf die jeweilige Administration zu fixieren, mit deren Auffassungen man sympathisiert oder die man verwirft. So ist es immer von Nutzen, an die wirre Vielfalt außenpolitischer Strömungen erinnert zu werden, die in der großen Republik auftreten und sich dort durchsetzen.

          Amerikanische Nationalisten und Neo-Isolationisten möchten, so führt Nau recht plausibel aus, die zusehends chaotischer werdende Staatengesellschaft möglichst weitgehend wieder sich selbst überlassen. "Der Starke", so hieß es einstmals bei Schiller, "ist am mächtigsten allein." Demgegenüber plädieren die Realisten für globale Allianzen, für selektiven Einsatz von Militärmacht und für klassische Gleichgewichtspolitik gegen die jeweils aktuellen Unruhestifter. Vorgestern war das Deutschland, gestern die Sowjetunion, heute sind das die "Schurkenstaaten" Irak und Iran, morgen ist das vielleicht China. Universelle Demokratisierung oder universelle Friedenssicherung sind nach dieser Auffassung bloße Wunschträume, denen ein verkatertes Aufwachen folgt.

          Eine weitere Denkschule, die der Verfechter weltpolitischer Führerschaft der Vereinigten Staaten, ist von den Realisten nicht allzu weit entfernt. Da die amerikanische Demokratie und die freie Unternehmerwirtschaft so offensichtliche Vorzüge beinhalten, scheint es ihnen legitim, diese Ordnungsformen weltweit zu verteidigen und auszubreiten. Erfreulicherweise, so konstatiert man in diesem Lager, ist Amerika Nummer eins in der Welt, deshalb solle es auch vor einer "wohlwollenden Hegemonie" - wie William Kristol und Robert Kagan dies nennen - nicht zimperlich zurückschrecken.

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