https://www.faz.net/-gqz-6qf5k

Rezension: Sachbuch : Über Botschafter und Geheimräte

  • Aktualisiert am

Das Auswärtige Amt in der Ära Bismarck / Keine Abweichungen von Kanzlerpolitik geduldet

          Karl-Alexander Hampe: Das Auswärtige Amt in der Ära Bismarck. Mit einem Vorwort von Klaus Hildebrand. Bouvier Verlag, Bonn 1995. 256 Seiten, 52,- Mark.

          In Paris erschien 1984 ein Buch mit dem Titel "Les affaires étrangères et le corps diplomatique français". In Beiträgen von 67 Autoren verband dieses Sammelwerk eine eingehende Darstellung der Organisation und des Personals des französischen auswärtigen Dienstes mit einer Untersuchung seiner Einwirkungen auf die auswärtigen Beziehungen Frankreichs. Für England gab es ein entsprechendes Werk von Zara Steiner mit dem Titel "The Foreign Office and Foreign Policy", das 1969 in Cambridge erschienen war und in dem in ähnlicher Weise die Behördengeschichte des Foreign Office mit der englischen Diplomatiegeschichte in Verbindung gesetzt worden war. Eine vergleichbare Untersuchung der inneren Struktur des deutschen Auswärtigen Amtes und seiner Rolle für die deutsche Außenpolitik gab es dagegen nicht. Die von Heinz-Günther Sasse in der Jubiläumsfestschrift des Auswärtigen Amtes 1971 veröffentlichte knappe Skizze der Geschichte des Auswärtigen Amtes beschränkte sich auf die "Innenansicht". Hampe hat - wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, die "Ära Bismarck" - die bisherige Lücke gefüllt.

          Er brachte dafür gute Voraussetzungen mit, denn er ist insofern ein "Insider", als er seit den frühen fünfziger Jahren dem auswärtigen Dienst angehörte: auf mehreren Auslandsposten, in der Rechtsabteilung der Zentrale und zuletzt als Beauftragter für Lateinamerika-Politik. Im Kriege als Rittmeister schwer verwundet, nahm er nach Kriegsende das Studium der Rechtswissenschaft auf und promovierte bei Hans-Peter Ipsen in Hamburg, dem er auch als Assistent am dortigen Institut für öffentliches Recht und Staatslehre zuarbeitete. Dem juristischen Studium schloß sich im höheren Alter, nach der Pensionierung, ein Studium der Geschichte an, das mit der Promotion durch den Bonner Historiker Klaus Hildebrand abgeschlossen wurde.

          Dieser hat dem Buch ein Vorwort mit auf den Weg gegeben, in dem er dem Verfasser eine "nüchterne Darstellung der Sachverhalte, Entwicklungen und Zusammenhänge" attestiert, "die manche bis heute von der Geschichtswissenschaft mitgeschleppten Klischees und Vorurteile zu korrigieren" vermag. Der Verfasser, der ja kein Zeitzeuge der Bismarck-Ära ist, darf jedoch insofern als "Insider" gelten, als er seine Amtszugehörigkeit auch dazu genutzt hat, sich mit den dortigen archivalischen Quellen vertraut zu machen. "Kaum ein anderer", so schreibt Hildebrand in seinem Vorwort, "dürfte mit den einschlägigen Beständen, die im politischen Archiv des Auswärtigen Amtes aufbewahrt werden, so gut vertraut sein wie der Autor dieses Buches."

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.