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Rezension: Sachbuch : Tecumseh

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          1 Min.

          INDIANER. Zweifelsohne bildet das Indianerbuch seit dem neunzehnten Jahrhundert eine der wichtigsten Sozialisationslektüren für männliche Jugendliche. Im Mittelpunkt einer Osnabrücker Dissertation steht die textanalytische Untersuchung von 77 Jugendbüchern über die Indianer Nordamerikas, die in der NS-Zeit erschienen waren oder - wie die Werke Karl Mays - nachträglich in den Dienst der braunen Ideologie gestellt wurden. Am Ende steht das - kaum überraschende - Ergebnis, daß auch die Indianerbücher ihren Beitrag zur Rechtfertigung des Führerkultes, der Wehrertüchtigung und des Rassedenkens leisten sollten. Dies galt vor allem für das Grenzerbuch Friedrich von Gagerns (1927), die siebenbändige Tecumseh-Reihe Fritz Steubens (Pseudonym für Erhard Wittek) und Franz Schauweckers Roman Thecumseh (1938). Inwieweit die beabsichtigte Wirkung auch tatsächlich erreicht wurde, bleibt offen. In ihrem Eifer ist Barbara Haible jedoch über das gesteckte Ziel hinausgeschossen, da die Paradigmata der nationalsozialistischen Literaturästhetik auch zum Gradmesser der Jahre vor 1933 und nach 1945 werden. So wird schnell aus jedem Indianerhäuptling Karl Mays ein potentieller "faschistischer Diktator". Doch wem ist mit solchen Erkenntnissen geholfen? Ist der methodische Ansatz noch als unsauber und das Ergebnis als unbefriedigend zu bezeichnen, so lassen die zahlreichen sprachlichen Unzulänglichkeiten der Autorin das Buch zu einem Ärgernis werden. (Barbara Haible: Indianer im Dienste der NS-Ideologie. Untersuchungen zur Funktion von Jugendbüchern über nordamerikanische Indianer im Nationalsozialismus. Poetica Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 32. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 1998. 449 Seiten, 208,80 Mark.)

          RALPH ERBAR

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