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Rezension: Sachbuch : San Francisco ruft Moskau

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Sowjetische Spionage im Zweiten Weltkrieg

          2 Min.

          John Earl Haynes, Harvey Klehr: Venona. Decoding Soviet Espionage in America. Yale University Press, New Haven, London 1999. XIII, 487 Seiten, 19,95 Pfund.

          Die Entschlüsselung tausender Telegramme und Funksprüche zwischen sowjetischen Spionageringen in den Vereinigten Staaten und Moskau aus der ersten Hälfte der 1940er Jahre gehört zu den großen Coups der amerikanischen Nachrichtendienste. Auch wenn sie verspätet und oft nur teilweise gelang und die Ergebnisse zudem aus Gründen der Geheimhaltung nicht für Gerichtsprozesse verwendet wurden, lieferten die später unter dem bedeutungslosen Codewort "Venona" zusammengefassten entschlüsselten Dokumente wertvolle Informationen über Ausmaß und Details der sowjetischen Spionageoffensive gegen die Vereinigten Staaten.

          Die Dokumente selbst sind im Internet verfügbar (http://www.nsa.gov/docs/venona/index.html), jedoch für sich allein genommen nur schwer verständlich. Haynes und Klehr bieten mit ihrer Darstellung eine ansprechendere Alternative. Die beiden Autoren sind Experten für die amerikanische Kommunistische Partei (CPUSA) und bieten daher eine Reihe von Zusatzinformationen, unter anderem aus dem "Komintern-Archiv" in Moskau, die die Lesbarkeit und den Nutzen der Venona-Dokumente erhöhen. Zudem konnten sie Informationen aus "The Haunted Wood" von Allen Weinstein und Alexander Vassiliev einarbeiten.

          Zwei Vorbehalte müssen allerdings geltend gemacht werden: Hin und wieder neigen die Autoren dazu, Personen zu sowjetischen Agenten zu machen, nur weil sie in den Venona-Dokumenten genannt sind. Dies erscheint besonders in den Anhängen bedenklich, in denen zahlreiche Personen aufgeführt sind, denen damit automatisch eine "verdeckte Beziehung zu sowjetischen Nachrichtendiensten" unterstellt wird. Muss aber ein Dokument vom 31. Oktober 1943 (KGB San Francisco an Moskau, Venona 445) wirklich so gelesen werden, dass Heinrich Mann eine "verdeckte" Beziehung zu einem "Nachrichtendienst" nachgesagt wird? Ebenso gut könnte es sich um eine politische Unterhaltung zwischen dem berühmten deutschen Schriftsteller und einem sowjetischen Konsularbeamten gehandelt haben, die dann "aufgewertet" wurde. Dass Derartiges "sehr unwahrscheinlich" sei, überzeugt nicht. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Buch um eine recht eng an den Dokumenten orientierte Darstellung, der die eigentliche Analyse fehlt. Dies gilt zum Beispiel für die Einschätzung der CPUSA sowie für den Zusammenhang zwischen der Entschlüsselung des Funkverkehrs und dem beginnenden Kalten Krieg. Der Eindruck der neuen und nützlichen Informationen war offensichtlich zu stark, um zu einer fundierteren Einordnung und Bewertung zu kommen.

          FREDDY LITTEN

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