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Rezension: Sachbuch : Moskaus Sendungen

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Die deutschen Außenpolitiker der Weimarer Republik betrachteten Stalin pragmatisch

          4 Min.

          Christoph Mick: Sowjetische Propaganda, Fünfjahrplan und deutsche Rußlandpolitik 1928-1932. Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa, herausgegeben von Helmut Altrichter, Band 42. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1995. 490 Seiten, 136,- Mark.

          Der Buchtitel deutet an, welch kompliziertem Beziehungsgeflecht Christoph Mick nachgehen will. Er untersucht für einen relativ kurzen Zeitraum von fünf Jahren nicht allein die deutsch-sowjetischen diplomatischen Beziehungen und deren propagandistische Begleitmusik, sondern auch, welchen Einfluß die sowjetische und die deutsche Innenpolitik darauf hatten. Berücksichtigt werden außerdem die militärische Zusammenarbeit beider Staaten zur Unterminierung des Versailler Vertrags sowie die wohlwollende Förderung - auf der einen Seite - und die mißtrauische Beobachtung - auf der anderen - der Kommunistischen Partei Deutschlands als eines Ablegers der Kommunistischen Internationale. Das heißt, es geht Mick um die Darstellung des Konflikts, der aus der gleichzeitigen Wahrnehmung von staats-und revolutionspolitischen Interessen durch die Sowjetunion entstand, zu einer Zeit, als das Land sich konsolidierte, Stalin, der die "Verschärfung der Kriegsgefahr" beziehungsweise des "Klassenkampfes" propagierte, sich endgültig durchgesetzt hatte und die Komintern ihre revolutionspolitische Zurückhaltung aufgab.

          In drei unterschiedlich langen Kapiteln breitet der Verfasser seine Forschungsergebnisse aus. Zunächst befaßt er sich mit "Rußlandkunde und Politik in Deutschland". Ihn interessiert, wie zu Beginn des (ersten) Fünfjahrplans die publizistische und wissenschaftliche Beobachtung der Sowjetunion die Überlegungen der deutschen Wirtschaft bei Investitionen in diesem unberechenbaren Land sowie die politischen und diplomatischen Erwägungen der Reichsregierung beeinflußt hat. Nicht immer traute dabei das Auswärtige Amt dem Urteilsvermögen der in Moskau stationierten deutschen Zeitungskorrespondenten und Agenturmitarbeiter, sondern suchte sie bei ihrer Berichterstattung zu beeinflussen beziehungsweise direkt zu lenken, um der Sowjetregierung möglichst wenige Angriffsflächen zu bieten. Hinzu kamen die Informationen der deutschen Diplomaten aus dem Land selbst, wobei die Mitarbeiter der zahlreichen Konsulate ein realistischeres Bild zeichneten als die auf diplomatischen Ausgleich bedachten Angehörigen der Moskauer deutschen Botschaft.

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