https://www.faz.net/-gqz-6qdml

Rezension: Sachbuch : Mit Haß

  • Aktualisiert am

          1 Min.

          RUSSLAND. Nachdem sie den Bürgerkrieg gewonnen, die Bewegungen der aufständischen Bauern aufgerieben und die Reste der anderen Parteien zerschlagen hatten, wandten sich die Bolschewiki 1922 gegen den einzigen verbliebenen Gegner, der in der Bevölkerung Unterstützung fand: die Russisch-orthodoxe Kirche. Sie galt den Bolschewiki als Hort der Reaktion, und die Parteiführer, vor allem Lenin und Trotzkij, begegneten ihr mit abgrundtiefem Haß. Um den entscheidenden Schlag gegen sie zu führen, nutzte man die schreckliche Hungersnot der Jahre 1921/22 dazu, die Konfiszierung der Kirchenschätze anzuordnen. Die Kirchen des Landes wurden entweiht und zerstört, unwiederbringliche Kunstwerte vernichtet. Die Leitung der Aktion hatte eine Geheimkommission unter Trotzkij, durchgeführt wurde sie vom Geheimdienst GPU und der Roten Armee. Der Widerstand der Gläubigen, die die Kirchenschändung durch Blockaden zu verhindern suchten, wurde mit Gewalt gebrochen. Das Politbüro ordnete an, die "erzreaktionären Geistlichen" zu verhaften und in Schnellverfahren zu erschießen; 1922 endeten Hunderte Prozesse mit dem Todesurteil für die Priester. Um die Kirche zu spalten und ihren unbeugsamen Führer, den Patriarchen Tichon, zu entmachten, nutzte man die reformatorische "Erneuerungsbewegung", deren Führer sich loyal zu den Kommunisten stellten. Für Tichon wurde vom Politbüro in einem Geheimbeschluß am 12. April 1923 die Todesstrafe beschlossen; nur die internationale Lage und der Kampf um die Nachfolge des erkrankten Lenin verhinderten, daß der Beschluß ausgeführt wurde. Die in Moskau tätige Historikerin Natalja Kriwowa hat die Unterwerfung der Russisch-orthodoxen Kirche minutiös beschrieben und alle verfügbaren Dokumente aus dem Archiv des Geheimdienstes FSB, den ehemaligen Partei- und den Staatsarchiven vorbildlich ausgewertet. (Natalja Kriwowa: Wlast i zerkow w 1922- 1925 gg. Politbjuro i GPU w borbe sa zerkownye zennosti i polititscheskoe podtschinenie duchowenstwa). [Macht und Kirche 1922-1925. Politbüro und GPU im Kampf um die Kirchenschätze und die politische Unterwerfung des Klerus]. Verlag "Airo-XX", Moskau 1997, 240 Seiten. mwe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So sieht der EQS aus.

          Der neue EQS : 770 Kilometer soll er schaffen

          Der EQS ist die elektrische Version der S-Klasse und gleichzeitig deren Konkurrent. Mit beiden will Daimler dicke Margen einfahren.
          Die damalige Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) besuchen im September 2019 Baustellen landeseigener Wohnungsbaugesellschaften.

          Berliner Mietendeckel : Ein Desaster für Rot-Rot-Grün

          Der gescheiterte Mietendeckel in Berlin war das zentrale Projekt von SPD, Grünen und Linken. Aufgeben wollen die Parteien die Idee aber nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.