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Rezension: Sachbuch : Kaderschmiede der Partei

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Die Frühgeschichte der "Freien Deutschen Jugend"

          3 Min.

          Ulrich Mählert: Die Freie Deutsche Jugend 1945-1949. Von den "Antifaschistischen Jugendausschüssen" zur SED. Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart, Herausgeber Kurt Kluxen. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1995. 386 Seiten, 48,- Mark.

          "Die Freie Deutsche Jugend soll in jeder Hinsicht politisch unabhängig, frei und demokratisch sein." Als Wilhelm Pieck dies zu Pfingsten 1946 auf dem I. Parlament der FDJ in Brandenburg an der Havel erklärte, wußte er bereits, daß er die Unwahrheit gesagt hatte. Paul Verner, der im zentralen Parteiapparat der SED damals für die Jugendpolitik verantwortlich war, wurde da schon deutlicher. Bereits auf der 1. Konferenz der Jugendsekretäre der SED in Kühlungsborn wies er der FDJ wenige Wochen später die Aufgabe zu, "Schule des Sozialismus" zu sein.

          Seitdem die Archive der einstigen DDR der zeitgeschichtswissenschaftlichen Forschung zugänglich sind, lassen sich viele Fragen klären, die bis zum Zusammenbruch der zweiten deutschen Diktatur offenbleiben mußten. Ulrich Mählert vom Arbeitsbereich DDR-Geschichte der Mannheimer Universität hat mit dem vorliegenden Buch die Frühgeschichte der Freien Deutschen Jugend aufgearbeitet. Er thematisiert damit zugleich die Jugendpolitik der KPD/SED in den Jahren 1945 bis 1949 sowie die Veränderungen, welche die FDJ ähnlich den Blockparteien und Massenorganisationen in der Sowjetischen Besatzungszone unter der Herrschaft der SED in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre durchlaufen hat.

          Der Autor blendet zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit, als die sowjetische Besatzungsmacht zunächst die Bildung "antifaschistischer Jugendkomitees" auf kommunaler Ebene verfügte, die noch im Spätherbst 1945 in "antifaschistische Jugendausschüsse" bei den Volksbildungsämtern umgebildet wurden. Am 26. Februar 1946 bekundete der Zentrale Jugendausschuß in Ost-Berlin unter Vorsitz eines gewissen Erich Honecker seinen "einmütigen Willen", bei der SMAD die Lizenzierung einer "überparteilichen, einigen, demokratischen Jugendorganisation" zu beantragen. Die Wiederbegründung des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands (KJVD) in Anknüpfung an die Traditionen der KPD-Jugendpolitik in der Ersten Republik wurde endgültig verworfen. Am 7. März 1946 wurde die Zulassung der Freien Deutschen Jugend durch die SMAD bekanntgegeben.

          Der Weg, den die FDJ in den Folgejahren nahm, ihr spannungsreicher, widerspruchsvoller Wandel von einem ursprünglich überparteilichen Jugendverband zum "Kaderreservoir der Partei", zur SED-gesteuerten Massenorganisation, wird mit einer Gründlichkeit und Akribie aufgearbeitet, wie das zu Zeiten der DDR nie geschehen ist, auch nicht geschehen konnte, eben weil selbst das Archiv der FDJ der historischen Forschung versperrt war - vom Zentralen Parteiarchiv der SED gar nicht erst zu reden.

          Das wichtigste Ergebnis in Mählerts Analyse besteht in der Erkenntnis, daß der Transformationsprozeß der FDJ bereits im Sommer 1949 abgeschlossen war im Vorfeld der DDR-Gründung, auch wenn das ausdrückliche Bekenntnis zur "führenden Rolle" der SED erst 1952 im Statut der FDJ niedergelegt werden sollte.

          Der Autor hat gründlich recherchiert, sein Buch zeigt auch die Widerstände, die der Gleichschaltung der FDJ entgegengesetzt wurden, namentlich seitens der Ost-CDU und der LDP und der ihnen verbundenen Studenten an den Universitäten der sowjetischen Zone. Eine Zäsur sieht der Autor im Herbst 1947. "Bis dahin hatte sich die SED bemüht, mit jugendspezifischen, vermeintlich ideologiefernen Forderungen unter der Jugend für sich zu werben", schreibt Mählert. "Ab 1948 richtete die SED ihr Jugendbild an der marxistisch-leninistischen Vorstellung aus, die der Jugend jeden Anspruch auf Eigenständigkeit absprach und von einer klassenspezifischen Interessenübereinstimmung ausging."

          Aufgezeigt werden die Mechanismen, mit denen die SED die FDJ zugleich förderte und an die Kandare nahm - durch Kaderpolitik, Schulung, totalitäre Organisationsstrukturen und finanzielle Abhängigkeit. Auch die fatale Rolle Honeckers als Vollstrecker des Parteiwillens in der FDJ jener Jahre wird herausgearbeitet. Seine Skrupellosigkeit läßt sich nicht zuletzt am Schicksal Manfred Kleins ermessen. Der Mitbegründer der FDJ mußte, als er die Belange der katholischen Jugend im Zentralrat des Jugendverbandes geltend machen wollte, mit Jahren hinter Zuchthausmauern dafür büßen. Honecker ließ es ungerührt geschehen - sollte er gar die Hand dabei im Spiel gehabt haben? KARL WILHELM FRICKE

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