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Rezension: Sachbuch : Im Bündnis oder im Alleingang?

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Strobe Talbott/Nayan Chanda (Herausgeber): Das Zeitalter des Terrors. Amerika und die Welt nach dem 11. September. Aus dem Amerikanischen von Joachim Kalka, Udo Rennert und Bernd Rullkötter. Propyläen Verlag, Berlin 2002. 205 Seiten, 18,- Euro.Zehn amerikanische Wissenschaftler denken über die Folgen des 11.

          Strobe Talbott/Nayan Chanda (Herausgeber): Das Zeitalter des Terrors. Amerika und die Welt nach dem 11. September. Aus dem Amerikanischen von Joachim Kalka, Udo Rennert und Bernd Rullkötter. Propyläen Verlag, Berlin 2002. 205 Seiten, 18,- Euro.

          Zehn amerikanische Wissenschaftler denken über die Folgen des 11. September 2001 nach. Seit 1814 britische Soldaten das Weiße Haus in Washington und das Capitol niederbrannten, haben die Vereinigten Staaten keinen erheblichen Angriff auf ihrem Boden mehr erlebt. Zwar gab es bereits seit Jahren Angriffe auf amerikanische Konsulate, auf militärische Einrichtungen und Kriegsschiffe im Ausland, aber der amerikanische Kontinent schien sicher. Dieser Zustand gehört der Vergangenheit an. Historiker, Juristen, Diplomaten, ein Molekularbiologe und ein Journalist tragen jetzt zu einer Neuorientierung der amerikanischen Sicht auf die Welt, ihre Verteidigungspolitik, ihre Diplomatie und ihre Bündnispolitik bei.

          John Lewis Gaddis weist auf Versäumnisse der amerikanischen Politik seit dem Ende des Kalten Krieges hin: Die Konsequenz der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten die einzige Supermacht geblieben sind, wurde nicht genügend bedacht. Die Beziehungen zu anderen Großmächten wie den Europäern, Rußland, China und Japan wurden vernachlässigt. Gerechtigkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz wurden höchst einseitig durchgesetzt. Die beginnende demokratische Entwicklung des Irans wurde übersehen, während die korrupte Oligarchie Saudi-Arabiens geschont wurde. Rußland erhielt ungenügend Hilfe auf seinem Weg zu Marktwirtschaft und Demokratie und so weiter. Während der Periode des Kalten Krieges hatten die Vereinigten Staaten Erfolg, weil fast alle ihre Hegemonie akzeptierten aus Furcht vor "etwas viel Schlimmerem" - der Herrschaft der Sowjetunion. Heute ist dieses "viel Schlimmere" der weltweit tätige Terrorismus. Um ihn abzuwehren - so Gaddis -, sollten die Vereinigten Staaten auf ein dauerhaftes Bündnis der bedrohten Staaten hinarbeiten und von ihrem Unilateralismus Abstand nehmen.

          Abbas Amanat, der dem Rat für Mittelost-Studien der Yale-Universität vorsteht, entwirft ein differenziertes Bild der Ideologie islamischer Terroristen und mahnt davor, den militanten wahabitischen Islam mit den Kräften der Mäßigung in der islamischen Welt zu verwechseln: Die autoritären Regierungen in der islamischen Welt dulden und fördern zum Teil den islamischen Radikalismus einschließlich dessen antizionistischer und antiwestlicher Aggression, um selbst ungeschoren zu bleiben. Die Vereinigten Staaten sollten nach Möglichkeit Kräfte der Reform und der Demokratisierung unterstützen - jedenfalls in den islamischen Ländern, auf die sie Einfluß haben.

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