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Rezension: Sachbuch : Hitlers letztes U-Boot

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Noch Mitte Mai 1945 mit einer zerlegten ME 262 und 560 Kilo Uranoxyd an Bord auf dem Weg nach Japan

          Joseph Mark Scalia: Germany's Last Mission to Japan. The Failed Voyage of U-234. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland, 2000. XXIV, 250 Seiten, 16 Seiten Abbildungen, 29,95 Dollar.

          Am 15. Mai 1945 ergab sich im Nordatlantik U 234, ein umgebauter Minenleger, der USS "Sutton", nachdem Kapitänleutnant Fehler den Plan einer Weiterfahrt nach Argentinien verworfen hatte. Es war "das letzte Boot", das am 25. März von Kiel in Richtung Japan ausgelaufen war und dessen Ladung bis heute wilde Spekulationen hervorgerufen hat, die der amerikanische Ingenieur Scalia zu einem guten Teil widerlegen kann.

          Über die Insassen und die außergewöhnliche Ladung des Bootes waren die Briten und Amerikaner durch den abgefangenen und dechiffrierten Telegrammwechsel zwischen Berlin und Tokio vorgewarnt. So nahm sich der amerikanische Marinenachrichtendienst (Office of Naval Intelligence, ONI) im Hafen von Portsmouth nördlich von Boston der Passagiere sofort an. Die umfangreichen Verhörprotokolle werden in den National Archives in College Park, Maryland, aufbewahrt; sie sind noch nie zuvor so umfassend ausgewertet worden. Leider sind dem Verfasser der in demselben Archiv liegende Telegrammwechsel des japanischen Marineattachés in Berlin mit Tokio sowie andere deutsche Quellen im Bundesarchiv/Militärarchiv in Freiburg/Br. unbekannt geblieben. Zudem ist er der deutschen Sprache nicht mächtig, so daß er deutsche Dokumente und Darstellungen nur aus den wenigen englischen Übersetzungen kennt.

          Prominentester Passagier war der Danziger General Ulrich Keßler, der "Fliegerführer Atlantik" gewesen war und nach Abzug seiner Verbände aus Westfrankreich kein Kommando mehr innehatte. Er war zum neuen Luftattaché in Tokio ernannt worden und sollte zusammen mit einem Stab militärischer Experten und Techniker die Japaner mit deutschen technischen und taktischen Errungenschaften vertraut machen. Die meisten Experten befanden sich - samt einer zerlegten Düsenmaschine ME 262 - an Bord des Bootes. Zu einem Zeitpunkt, da die japanischen Städte und die Industrie unter den Bomben der amerikanischen B-29 in Schutt und Asche sanken, war die geplante Präsentation technischer Neuerungen aus Deutschland ein unsinniges Unterfangen.

          Das ONI war sehr daran interessiert zu erfahren, wieweit die Japaner von deutschen waffentechnischen Entwicklungen profitiert hatten, ob man also in der Endphase des Krieges gegen Japan mit Überraschungen rechnen mußte. Es ist das Verdienst von Scalia, auf die Fragen der militärisch-technischen Zusammenarbeit und die Rolle der Experten detailliert einzugehen und umfangreiche Informationen zu liefern.

          In manchem ist er unkritisch. So hat sich Keßler in den Verhören als Gegner des Nationalsozialismus präsentiert und behauptet, über andere Persönlichkeiten bei den Planungen des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 Kontakt mit Goerdeler gepflegt zu haben. Goerdeler habe ihn angeblich zum Staatssekretär im Luftfahrtministerium machen wollen. Ein Blick in die umfangreiche deutsche Literatur hätte genügt, um klarzustellen, daß keine der bezeichneten Kontaktpersonen dem engeren Kreis um Goerdeler angehörte.

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