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Rezension: Sachbuch : Geheimräte

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          DIPLOMATENLEXIKON. Alle Angehörige des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Kriegsende 1945 soll das "personengeschichtliche Nachschlagewerk" erfassen. Band I und vier weitere angekündigte Bände informieren über Lebensdaten, Konfession, Herkunft, Eheschließung, Kinder, Ausbildung, Parteizugehörigkeit, Stationen der Laufbahn, Tätigkeiten nach dem Ausscheiden aus dem Dienst und Publikationen/Nachlässe: Harry Graf von Arnim wurde beispielsweise 1874 wegen (heutzutage wieder hochaktuell) Verwahrungsbruch verurteilt; Eduard Brücklmeier wurde nach dem 20. Juli 1944 als Widerstandskämpfer gegen Hitler hingerichtet; Gustav von Bohlen und Halbach war bis 1906 im Auswärtigen Amt und übernahm dann bis 1943 die Leitung der Fried. Krupp AG; Harald Boldt tat während des Zweiten Weltkrieges in der Rundfunkpolitischen Abteilung Dienst und avancierte 1950 zum Verleger. Eine Fülle von Informationen ist unter der Leitung von Peter Grupp und Maria Keipert zusammengetragen und akribisch aufbereitet worden. Einleitende Hinweise werden gegeben zu Organisation und Personalstruktur des Auswärtigen Dienstes. So wurde bei den Auslandsvertretungen nach dem Ersten Weltkrieg "eine Reihe von Stellen nicht an einem bestimmten Ort etatisiert, sondern in Gestalt eines ,fliegenden Legationssekretärs' oder eines ,fliegenden Konsuls' nach Bedarf an wechselnden Orten eingesetzt". Der unvergessene Meister im wechselnden und verwechselnden Einsatz war der am 1. April 1888 geborene Edmund Friedemann Dräcker. Ihm verdankt das Auswärtige Amt schließlich den Ruf, "Humor im Dienst" zu pflegen. Ohne die Legationskasse zu belasten, soll er 1982 zur Gewinnung von Hoheitsrechten die Bundesdienstflagge auf einer Eisscholle in der Antarktis gehißt haben. Ostberlin protestierte damals, weil es Dräckers Aktivitäten als "neue territoriale Ansprüche" der "imperialistischen" Bonner Regierung ansah. Im Lexikon wird als Sterbedatum nur "1989 ?" angegeben. Dabei wissen wohlinformierte Kreise, daß es der 7. Juli 1989 war. An diesem Tag starb auch der Dräcker-Intimus Hasso von Etzdorf, der 1938 - auf Posten in Rom - bei einem köstlich-kühlen "Birra Dreher" (das dem Geheimdiplomaten den Namen gab) ein erstes Treffen mit dem Ministerialdirigenten hatte. Kurz vor seinem Tode war Dräcker - wie jetzt höchstamtlich nachzulesen ist - noch "Sonderberater der Europäischen Kommission in Brüssel für die Erarbeitung einer Richtlinie für die Normierung von Seemannsgarn"! (Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871-1945. In fünf Bänden herausgegeben vom Auswärtigen Amt durch den Historischen Dienst. Band 1: A-F. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000. 633 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 248,-Mark.)

          rab.

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