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Rezension: Sachbuch : Geheimdienst ohne Distanz

  • Aktualisiert am

Klischeebehaftetes Institut im rechtsfreien Raum: Eine einseitige und unkritische Studie über den Mossad

          Gordon Thomas: Die Mossad Akte. Israels Geheimdienst und seine Schattenkrieger. Aus dem Amerikanischen von Hans Binder. Lichtenberg Verlag, München 1999. 400 Seiten, 39,90 Mark.

          Das "Institut", wie der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad genannt wird, gilt als einer der effizientesten, aber auch rücksichtslosesten Geheimdienste der Welt. Gordon Thomas bedient alle Klischees. Für den passenden Einstieg ist auch gesorgt: Kurz vor dem tragischen Tod von Prinzessin Diana habe der Mossad versucht, den Sicherheitschef des Hotels Ritz in Paris, Henri Paul, als Informanten zu gewinnen.

          Der Mossad bedient sich - so erfährt man bei der Lektüre - eines ausgeklügelten Spitzel- und Informationssystems, das von Meir Amit - Mossad-Chef von 1963 bis 1968 - aufgebaut worden ist. Es stützt sich auf "freiwillige jüdische Helfer" (Sajanim) und "nichtjüdische Informanten" (Mabuah) am Ort, die durch einen "Agentenführer" (Katsa) gesteuert werden. Ohne diese Sajanim könnte der Mossad nicht operativ arbeiten. 1998 gab es in Großbritannien zirka 4000 davon, in den Vereinigten Staaten waren es viermal so viele. Man hätte gerne erfahren, wie viele in Deutschland tätig sind. Aber Deutschland kommt in Gordons Buch nicht vor.

          Bekannt ist, dass es eine intensive Zusammenarbeit und einen Datenaustausch zwischen deutschen und israelischen Geheimdiensten gibt. Auch hätte man gern erfahren, welche Rolle die diplomatischen Vertretungen bei der Logistik des Mossad spielen. Dass selbst Freundschaft vor Spionage nicht schützt, zeigt die sehr intensive Industrie- und Militärspionage in den Vereinigten Staaten.

          Zu den bekanntesten Aktionen des Mossad gehören die Entführung Adolf Eichmanns aus Argentinien, das Beschaffen einer sowjetischen MiG-21, die Entführung französischer U-Boote nach Israel, die Bombardierung des Atomreaktors im Irak, die Entführung des Atomwissenschaftlers Mordechai Vanunu aus Rom sowie die zahllosen Auftragsmorde, die das "Institut" im Ausland durchgeführt hat. Gordon Thomas schreibt über diese staatlich angeordneten Anschläge so, als gehörten sie zu den Routinearbeiten eines Geheimdienstes. So zeichnet sich seine umfangreiche Studie durch Distanzlosigkeit zu seinem Objekt, durch Kritiklosigkeit, Einseitigkeit und Voreingenommenheit aus. Die zahlreichen Gespräche mit ehemaligen Mossad-Chefs oder ranghohen Geheimdienstbeamten scheinen Gordons kritisches Bewusstsein ausgeschaltet zu haben.

          Gordons Vorurteile gegenüber den Palästinensern kommen zum Ausdruck, wenn der Autor regelmäßig den arabischen Widerstand als Terror klassifiziert, die Auftragsmorde des Mossad aber nicht. So berichtet er von den Taten der Haganah, der jüdischen Streitmacht vor der Staatsgründung, aus der die israelischen Verteidigungsstreitkräfte hervorgegangen sind, ohne die Terroranschläge der Untergrundgruppen Irgun und Stern-Bande überhaupt zu erwähnen, die für zahlreiche Massaker verantwortlich zeichnen. Im Gegensatz dazu stellt er den arabischen Widerstand gegen Landnahme als Terror dar. Auch die Intifada, der Widerstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung, wird als Aufstand des "arabischen Mobs" in der Westbank und im Gaza denunziert.

          Der Mossad ist eine legitime Einrichtung des Staates Israel und muss sich der Kritik stellen. Auch dass das "Institut" bis heute noch in einem rechtsfreien Raum agiert, sollte eine kritische Erwähnung wert sein. Vielleicht sollte der Autor bei seinem nächsten investigativen Abenteuer weniger mit Offiziellen reden. Die Studie gibt trotzdem gute Einblicke in die Welt der Geheimdienste, in der demokratische Regeln außer Kraft gesetzt scheinen.

          LUDWIG WATZAL

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