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Rezension: Sachbuch : Franz Neumann und der KGB

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Ein ansonsten wenig tiefschürfendes Buch enthüllt Einzelheiten aus den Akten des sowjetischen Geheimdienstes

          4 Min.

          Allen Weinstein, Alexander Vassiliev: The Haunted Wood. Soviet Espionage in America. The Stalin Era. Random House, New York 1999. XXVIII, 403 Seiten, 30,- Dollar.

          1993 schloß der amerikanische Verlag Random House ein Abkommen mit einer Vereinigung ehemaliger KGB-Agenten, das es gegen entsprechende Bezahlung jeweils einem Amerikaner und einem ehemaligen KGB-Agenten erlaubte, bestimmte historische Fragen anhand von allerdings im einzelnen immer noch zu genehmigenden KGB-Akten zu bearbeiten. Der Historiker Allen Weinstein, Autor eines der Standardwerke zum Fall Alger Hiss/Whittaker Chambers, sowie der inzwischen im Westen lebende russische Journalist Alexander Vassiliev, der zwischen 1985 und 1990 für den KGB arbeitete, legen nun das Ergebnis ihrer 1994 und 1995 im KGB-Archiv vorgenommenen Studien zur sowjetischen Spionage in den Vereinigten Staaten während der Stalin-Zeit vor.

          Die großen Linien dieses Themas sind bereits seit einiger Zeit bekannt und erfahren auch durch Weinstein und Vassiliev keine Änderung. Die Vereinigten Staaten spielten in den dreißiger Jahren für die sowjetischen Nachrichtendienste eher eine untergeordnete Rolle; ihr Interesse galt im wesentlichen Europa und Japan. Mit Kriegsausbruch und vor allem mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg verstärkte sich dann die sowjetische Spionageaktivität, wobei die relativ lasche amerikanische Spionageabwehr den Sowjets sehr entgegenkam. Für die letzten Kriegsjahre kann man tatsächlich von einer beträchtlichen Unterwanderung amerikanischer Behörden und Dienste sprechen, die jedoch aus mehreren Gründen 1945/46 ein relativ abruptes Ende fand: der beginnende Kalte Krieg richtete das Augenmerk der Amerikaner nunmehr auf die "sowjetische Gefahr", sowjetische Funksprüche wurden (verspätet) entschlüsselt - das sogenannte VENONA-Projekt (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. Dezember 1997) -, und verschiedene Überläufer wie Elizabeth Bentley und Igor Guzenko enthüllten Agentenringe. Eine gewisse Unordnung in den sowjetischen Diensten selbst kam hinzu, ähnlich wie während der Zeit der großen Säuberungen in der Sowjetunion Ende der dreißiger Jahre.

          Weinstein und Vassiliev wollen vor allem Details aus den KGB-Akten liefern und sie durch die VENONA-Dekrypte und die Sekundärliteratur ergänzen. Ersteres gelingt ihnen relativ gut. So können sie unter anderem einen langjährigen amerikanischen Kongreßabgeordneten, Samuel Dickstein, und die Tochter des amerikanischen Botschafters in Berlin, Martha Dodd, als sowjetische Agenten enttarnen; beide waren allerdings nicht von überragender Bedeutung. Die Verbindung mit den VENONA-Dokumenten ist öfters interessant, hätte aber ausgebaut werden können. Von der Verwendung der Sekundärliteratur fehlt dagegen fast jede Spur. Nicht nur, daß die Anmerkungen sich fast ausschließlich auf die KGB- und VENONA-Akten beziehen, es gibt eine Reihe von deutlichen Hinweisen, daß die in der Bibliographie aufgeführten Bücher nicht ausgewertet wurden. Beispielsweise wird Ursula Kuczynski, eine auch unter dem Namen Ruth Werner nicht ganz unbekannte sowjetische Agentin, falsch geschrieben ("Kuchinsky") und zudem über das Register zur Frau ihres Bruders "Urgen" (Jürgen) gemacht. Auch werden die Geburtsjahre verschiedener sowjetischer Topagenten nicht angegeben, obwohl man sie in dem auch in der Bibliographie aufgeführten dritten Band der "Skizzen der Geschichte der russischen Auslandsaufklärung" (Moskau 1997; Chefredakteur ist der damalige Nachrichtendienstchef und jetzige russische Ministerpräsident E. M. Primakow) findet. Geradezu als Zeichen für Desinteresse muß man es auslegen, wenn die Autoren ausgiebig den Fall des Hollywood-Produzenten Boris Morros (er produzierte zum Beispiel "The Flying Deuces" mit Stan Laurel und Oliver Hardy) schildern, ohne darauf einzugehen, wie sich denn nun dessen "melodramatische Memoiren", in denen er seine Rolle als Doppelspion schilderte, zu den Moskauer Akten verhalten. (Immerhin zitieren sie Morros' Spionagemotto: "The more open, the better.")

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