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Rezension: Sachbuch : Endkämpfer

  • Aktualisiert am

WALTER MODEL. Das Bild des Feldmarschalls scheint zu stehen, nicht zuletzt verfestigt durch die Kriegsfilme über Arnheim und Remagen. Der forsche Herr mit strammer Haltung, markantem Kopf und blitzendem Monokel gilt bis heute als Prototyp eines zum "Nazi-General" degenerierten preußischen Offiziers.

          WALTER MODEL. Das Bild des Feldmarschalls scheint zu stehen, nicht zuletzt verfestigt durch die Kriegsfilme über Arnheim und Remagen. Der forsche Herr mit strammer Haltung, markantem Kopf und blitzendem Monokel gilt bis heute als Prototyp eines zum "Nazi-General" degenerierten preußischen Offiziers. Doch lohnt sich auch in diesem Fall eine differenzierte Betrachtung. Die aktive Beteiligung an NS-Verbrechen ist dem General bisher ebensowenig nachzuweisen wie die Übereinstimmung mit dem rassenideologischen Programm Hitlers. Allerdings fehlen jegliche Anzeichen grundsätzlicher Kritik gegen den Diktator und sein verbrecherisches Regime. Der gegen sich selbst, seine Soldaten und den Feind harte, oft rücksichtslose Soldat diente seinem "Führer" treu bis in den Tod, den er der Kapitulation vorzog. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 suchte er den Schulterschluß mit den Machthabern und wurde zu einem der wichtigsten Durchhaltegenerale. Mit taktisch und operativ befähigten, aber strategisch und politisch kurzsichtigen Offizieren wie Model war der "Endkampf" gut zu führen. Die Frage, ob die Einstellung solcher militärischen Funktionäre eher "nationalsozialistisch" oder "nationalkonservativ" war, muß hinter die Realien ihres Handelns zurücktreten. Leider kann das Buch Marcel Steins die dürftige Kenntnis über die Tätigkeit Models kaum erweitern. Der Autor wendet sich zwar mit gutem Grund gegen die übliche pauschale Verurteilung des Generals, verfällt dabei aber in den Duktus einer Verteidigungsschrift. Er stützt sich vorwiegend auf die ältere Literatur und den wenig ergiebigen Privatnachlaß, zitiert ausführlich aus wohlwollenden Erinnerungen von Weggefährten, zieht jedoch die deutschen Militärakten und authentisches Material aus der Kriegszeit nur sporadisch heran. Während sich der Autor ermüdend um den Beweis der militärischen Begabung Models bemüht, werden Themen wie Partisanenbekämpfung, Behandlung der Zivilbevölkerung und systematische Rückzugszerstörungen in der Sowjetunion mit einigen verharmlosenden Floskeln abgehandelt. Ebenso wird die Zusammenarbeit der 9. Armee mit Himmlers Sonderkommando 7a marginalisiert. Über die Einordnung Models in die Militärelite, Kriegführung und Politik der nationalsozialistischen Diktatur erfährt der Leser wenig. Model hätte nicht nur einen - wie diese apologetische Darstellung schließt - "besseren Herrn als Hitler" verdient, sondern auch einen besseren Biographen. (Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model. Legende und Wirklichkeit. Biblio Verlag, Bissendorf 2001. 349 Seiten, Abbildungen, 34,80 Euro.)

          JOHANNES HÜRTER

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