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Rezension: Sachbuch : Der siebte Streich: Von Bombern und Jägern

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Horst Boog/Gerhard Krebs/Detlef Vogel: Das Deutsche Reich in der Defensive. Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien 1943-1944/45 (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 7). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2001. 831 Seiten, 49,80 Euro.Seit dem Jahr ...

          Horst Boog/Gerhard Krebs/Detlef Vogel: Das Deutsche Reich in der Defensive. Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien 1943-1944/45 (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 7). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2001. 831 Seiten, 49,80 Euro.

          Seit dem Jahr 1979 erscheint das vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt herausgegebene Reihenwerk "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg". Sieben Bände liegen bis heute vor, der zuletzt erschienene trägt den Titel "Das Deutsche Reich in der Defensive". Sein erster Teil ist dem strategischen Luftkrieg in Europa und der Reichsluftverteidigung während der Jahre 1943 und 1944 gewidmet, sein zweiter Teil der deutschen und alliierten Kriegsführung im Westen während dieses Zeitraums und sein dritter Teil dem Krieg im Pazifik zwischen 1943 und 1945.

          Gegenstand und Umfang, Anlage und Qualität der drei Beiträge nehmen sich so unterschiedlich aus, wie das nur möglich ist. Auf reichlich 400 Seiten stellt Horst Boog die Geschichte der deutschen und alliierten Luftkriegsführung mit einer Hingabe und Ausführlichkeit dar, daß man sich des Eindrucks nicht zu erwehren vermag, der Autor habe mit jedem Bomber und Jäger auf allen Seiten der Front persönliche Bekanntschaft gemacht. Die lexikalische Intensität seiner Ausführungen dürfte kaum zu überbieten sein.

          Was dagegen die gedankliche Durchdringung des Gegenstandes, beispielsweise die Auseinandersetzung mit dem vom Autor so genannten "Problem der Menschlichkeit" der Bomberangriffe betrifft, läßt die Darstellung zu wünschen übrig. Während sich der Eindruck der nahenden Niederlage des Deutschen Reiches von Rückschlag zu Rückschlag deutlich abzeichnete, phantasierte Oberbefehlshaber Hermann Göring davon, "die Luftwaffe müsse ,aufgeputscht' werden zu einem ,Korps der Rache'". Allein, das verbrecherische Pathos verflog, je länger der Krieg dauerte, so daß über die anfänglich mit illusionären Hoffnungen erwarteten "Vergeltungswaffen" V 1 und V 2 schon bald der Witz kursierte: "Die Vergeltung kommt, wenn an den Altersheimen steht: ,Wegen Einberufung geschlossen'." Im Gegensatz zu den beiden anderen Beiträgen des Bandes entbehrt die vor Details berstende Abhandlung Boogs einer Zusammenfassung oder eines Ausblicks, die den aufgetürmten Einzelheiten möglicherweise die erforderliche Kontur hätten verleihen können.

          Die Hälfte dessen, was im ersten Teil an Seiten verbraucht worden ist, steht Detlef Vogel im zweiten Teil für eine informative Darstellung zur Verfügung, welche die deutsche und alliierte Kriegsführung im Westen Europas abhandelt - mit der angelsächsischen Invasion vom Sommer 1944 und der deutschen Ardennenoffensive an der Jahreswende 1944/45 als zentralen Etappen des endenden Weltkriegs. Sie erschienen, jede auf ihre Art, dem deutschen Diktator als geeignet, das sich schürzende Schicksal noch einmal zu wenden: Den Angelsachsen, vor allem den Briten, gedachte er, die scheinbar ungebrochene Macht des "Dritten Reiches" wuchtig zu demonstrieren, um sie zum Einlenken, zu einem Sonderfrieden im Westen zu bewegen und dann mit ihnen zusammen die Sowjetunion zu besiegen.

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