https://www.faz.net/-gqz-39jp

Rezension: Sachbuch : Das Mondstädtchen namens Stern

  • Aktualisiert am

Boris Ewseewitsch Tschertok: Raketen und Menschen - Jagd um den Mond. Aus dem Russischen von Rudi Meier. Elbe-Dnjepr-Verlag, Klitzschen 2001. 542 Seiten, 31,70 Euro.Im Jahr 1970 wurde Boris Ewseewitsch Tschertok, der viele Jahre lang einer der Stellvertreter des sagenumwobenen Chefkonstrukteurs der ...

          4 Min.

          Boris Ewseewitsch Tschertok: Raketen und Menschen - Jagd um den Mond. Aus dem Russischen von Rudi Meier. Elbe-Dnjepr-Verlag, Klitzschen 2001. 542 Seiten, 31,70 Euro.

          Im Jahr 1970 wurde Boris Ewseewitsch Tschertok, der viele Jahre lang einer der Stellvertreter des sagenumwobenen Chefkonstrukteurs der sowjetischen Raumfahrt - Sergej Koroljow - war, als Berater zu den Dreharbeiten des Films "Die Bändigung des Feuers" engagiert. Darin sollte dargestellt werden, wie Helden die für die Raumfahrt notwendige Technik erschaffen haben.

          Im Laufe der Arbeiten war Tschertok zunächst reichlich frustriert. Denn der Regisseur wollte sein Werk zu einer Heldenverehrung machen und hielt sich dabei überhaupt nicht an die Realitäten. So plante er, die Hauptfigur des Films, die Koroljow wiedergeben sollte, am Rande eines staubigen Wegs statt im Kreml-Krankenhaus sterben zu lassen. Welche Diskussionen sich damals abspielten - "Ich hoffe, daß Sie das nach dem XX. Parteitag auch begreifen" - schildert Tschertok in dem autobiographischen Band "Raketen und Menschen - Jagd um den Mond".

          Ausführlich wird dargestellt, wie es dazu kommen mußte, daß Moskau den Wettlauf zum ersten bemannten Mondflug verlor. Einer der Gründe war organisatorischer Natur. Als in den Vereinigten Staaten als Reaktion auf die ersten Sputniks die Raumfahrtbehörde Nasa gegründet wurde, haben die sowjetischen Raketenspezialisten - wie auch die höchste politische Führung der Sowjetunion - die entscheidende Bedeutung dieser Maßnahme nicht erkannt. Mit der Nasa hatte Washington einen machtvollen Apparat geschaffen, in dem alle Fäden der Raumfahrt zusammenliefen. Moskaus Raumfahrt dagegen, anfangs unter Koroljow vereint, verzettelte sich und litt unter Konkurrenzdenken und immer mehr Bürokratie. "Auf die Ausarbeitung von Beschlüssen über den Beginn neuer Arbeiten", schreibt Tschertok, "wurden unter Stalin einige Tage, zumeist jedoch nur Stunden aufgewendet . . . Der poststalinistische Staatsapparat nahm allmählich bestimmte demokratische Züge an . . . In der postchruschtschowschen Periode entwickelte sich die Bürokratie des Apparates sehr schnell, und zur Abstimmung des Textes vergingen für das Sammeln der notwendigen Unterschriften manchmal Monate."

          Ebenso wichtig war wohl, daß man sich in der Sowjetunion nicht über den Weg zum Mond einig war. Dabei waren die Diskussionen über eventuell notwendige Rendezvousmanöver im Weltraum, die in gleicher Weise in den Vereinigten Staaten geführt wurden, eher nebensächlich. Bedeutender war, daß sich zwei Raketenprojekte gegenseitig behinderten: Koroljows schon 1962 geplante N1, die später als Trägerrakete für die Mondflüge ausgewählt wurde, und Wladimir Tschelomejs UR-500, aus der die Proton-Rakete entstand. Koroljows Fehler war es damals, daß er sich den energiereichen, aber schwerer zu handhabenden Treibstoffen auf der Basis von flüssigem Wasserstoff widersetzte. Außerdem hielt er den Bau teurer Teststände für die Erprobung der neuen Raketenstufen für überflüssig. Ein folgenreicher Fehler, wie sich herausstellte, der aber abzusehen war. Bei der N1 waren 30 Triebwerke gebündelt, und deren zuverlässiges Zusammenwirken hat man niemals erreicht, weil keine Tests am Boden möglich waren. Deshalb blieb der bemannte Flug zum Mond nur ein Traum, von dem man sich in Moskau nach Apollo, wenngleich nicht sofort, gelöst hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gladbach besiegt Bayern : Großartig für die Bundesliga

          Gladbach gewinnt ein verrücktes Topspiel gegen die Münchner. Die sind spielerisch so gut wie die Bayern-Teams, die in den vergangenen sieben Jahren Meister wurden. Aber nun fehlt die Cleverness eines Champions.
          Bei welcher Krankenkasse man unter welchen Bedingungen durch Vorauszahlungen Geld sparen kann, hängt auch vom Einzelfall ab.

          Die Vermögensfrage : Mit Vorauszahlungen Steuern sparen

          Wer seine Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlt, kann damit nicht unbeträchtlich Steuern sparen. Ob dies im Einzelfall immer möglich ist, hängt allerdings auch von Versicherung und Krankenkasse ab.
          Krippen-Kinder in Hamburg

          Konsequenzen aus Pisa : Deutsch lernen in der Kita

          In der jüngsten Pisa-Studie haben die deutschen Schüler nur mittelmäßig abgeschnitten. Bildungsministerin Karliczek will deshalb das frühe Vorlesen fördern – schon vor der Grundschule.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.