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Rezension: Sachbuch : Blutjustiz und Datenschutz

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Nicht allein der einstige Ankläger, Staatsanwalt Markl, der sich vor seinem Mordplädoyer allerletzte Instruktionen bei dem Gerichtsvorsitzenden geholt hatte, bekannte sich noch in den sechziger Jahren ausdrücklich zu diesem Erfahrungssatz. Nach den Recherchen der Autorin kam Markl im übrigen nach dem Kriege "wieder im bayerischen Staatsdienst unter und brachte es bis zum Richter am Oberlandesgericht München". Und lebt bis heute, so jedenfalls Kohl 1997, ungeschoren in der Nähe der Stadt. Ein Verfahren gegen ihn sei eingestellt worden, weil er, "wie es hieß, nur auf Weisung gehandelt habe". Offenkundig also nicht nur auf Instruktion des Vorsitzenden. Aber wozu bedurfte es dieser dann überhaupt? Waren die Vorgesetzten des Staatsanwalts vielleicht weniger streng als der Vorsitzende des Gerichts? Das und manches andere wüßte man gern genauer.

Und dazu müßte der Rezensent nicht nur "mal" in die Akten sehen dürfen, vielmehr über Kopien entscheidender Passagen und ganzer Schriftstücke verfügen können. Das gilt nicht zuletzt bezüglich der dann endlich doch gegen die ehemaligen Sonderrichter Ferber und Hoffmann erhobenen Anklage.

Der Doktor der Rechte Ferber, seit 1934 förderndes Mitglied der SS, war 1937 der NSDAP beigetreten, in der er nebenberuflich für das rassepolitische Amt arbeitete. In dem 1947 von den Amerikanern durchgeführten sogenannten Juristenprozeß trat er als Kronzeuge gegen Rothaug auf. So der Name des "Scharfrichter" genannten Vorsitzenden des Mördertribunals. Auch er ein promovierter Jurist, der zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch bereits nach neun Jahren - das war Ende 1956 - entlassen und bis 1967 wieder als freier Mann in Köln lebte. Dem dritten Richter Dr. Heinz Hugo Hoffmann, mit "zunächst gemäßigt liberaler Einstellung", Parteigenosse seit 1937, war es beschieden, nach dem Kriege noch viele Jahre als Anwalt zu praktizieren. Und dies, nachdem das Strafverfahren gegen ihn aus Krankheitsgründen eingestellt werden "mußte".

Doch zuvor gab es ebendieses Strafverfahren aufgrund der meines Wissens nirgends publizierten Nürnberger Anklage, die dem Rezensenten ein Rätsel aufgibt. Das liegt an der Autorin, die es möglicherweise hätte lösen können. Wäre sie eben auch um die vermeintlich rein juristischen Aspekte des Falles Katzenberger - und des Falles der Nürnberger Justiz - mehr bemüht gewesen. Statt dessen unterläuft ihr sogar ein gravierender Fehler. Der wiederum durch mehr veranlaßt sein muß als ihre laienhafte Vorstellung vom deutschen Strafprozeß.

Also denn: Auf die Anklage der Nürnberger Staatsanwaltschaft hin wurden verurteilt: Dr. Ferber zu 3 Jahren und Dr. Hoffmann zu 2 Jahren Gefängnis wegen Rechtsbeugung und - man will es nicht glauben: Totschlags. Für Frau Kohl sogar wegen Totschlags in einem minderschweren Falle. Doch das dürfte ein Irrtum sein. Wie auch immer: Wenn je ein Mord in Richterrobe verübt wurde, dann an dem schuldlosen Juden Katzenberger.

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