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Rezension: Sachbuch : Aus der Versenkung

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RAF. Die Kontroverse um Joschka Fischers Sponti-Vergangenheit hat diesem bereits 1997 erschienenen Buch so viel Aktualität verliehen, daß sich Verlag und Herausgeber zu einer erweiterten Neuauflage entschlossen. Ihr Titel nimmt die These Jillian Beckers auf, in welcher der RAF-Terrorismus in einer ideologisch-psychologischen ...

          RAF. Die Kontroverse um Joschka Fischers Sponti-Vergangenheit hat diesem bereits 1997 erschienenen Buch so viel Aktualität verliehen, daß sich Verlag und Herausgeber zu einer erweiterten Neuauflage entschlossen. Ihr Titel nimmt die These Jillian Beckers auf, in welcher der RAF-Terrorismus in einer ideologisch-psychologischen Kontinuitätslinie mit dem NS-Terror verbunden wurde. In der Tat spielte der Nationalsozialismus bei der Formierung der Protestbewegungen von 1968 sowie ihrer Radikalisierung im Linksterrorismus der siebziger Jahre eine entscheidende Rolle. Denn massiv angeprangert wurde die vermeintlich ausgebliebene Auseinandersetzung der westdeutschen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit. All die Täter und Mitläufer aus der Elterngeneration hatten sich, so der pauschal erhobene Vorwurf der revoltierenden Jugend von 1968, ihrer Schuld nicht gestellt. Diese Schuld erkannten die 68er nun an, setzten zugleich aber in ihren Faschismusanalysen NS-Staat, Vietnam und das westdeutsche "Schweinesystem" in eins, so daß der Faschismus als großes, bedrohliches Syndrom allgegenwärtig war. Ebenso global wie die imaginierte Bedrohung war der Kampf dagegen: So sah sich die RAF als Teil einer weltweit operierenden Befreiungsbewegung, die im (Stadt-)Guerrillagestus den Kampf des "Trikont" in den Metropolen weiterführte. Daß sie dabei in moralischem Rigorismus, Menschenverachtung und ideologischer Verblendung versank, bemerkten die meisten ihrer Mitglieder - längst nicht alle - erst Jahre später. Wie ein solcher Prozeß der Selbstreflexion ablaufen kann, belegen die Beiträge Birgit Hogefelds, in denen sie kritisch über die RAF-Geschichte schreibt. In ihrer Person verdichten sich jene Faktoren, die den Weg in den terroristischen Untergrund bereiteten. Daß nicht nur die RAF, sondern auch Staat und Justiz noch weit von einer Auseinandersetzung mit ihrer Rolle im "deutschen Herbst" entfernt sind, zeigen die beschriebenen Umstände des Hogefeld-Prozesses, der in vielem Erinnerungen an die Terroristenprozesse der siebziger Jahre weckte. Wer von diesem Buch Aufklärung über die historische Bedeutung des deutschen Linksterrorismus erwartet, dürfte enttäuscht werden. Aber es mag einen Anstoß geben, sich jenseits tagespolitisch motivierter Polemik mit der Frage von politischer Gewalt und ihrer Bekämpfung in den hoch politisierten und radikalisierten siebziger Jahren auseinanderzusetzen. Ob von der Psychoanalyse, wie sie in den Beiträgen hier dominiert, weitere Aufschlüsse erhofft werden dürfen, ist indessen fraglich. Nun sollten sich die Historiker dieser Fragen annehmen. (Hans-Jürgen Wirth [Herausgeber]: Hitlers Enkel - oder Kinder der Demokratie? Die 68er Generation, die RAF und die Fischer-Debatte. Psychosozial-Verlag, Gießen 2001. 236 Seiten, 29,80 Mark.)

          GABRIELE METZLER

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