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Rezension: Sachbuch : Abwegig

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          GLADIO. Die Autoren des vorliegenden Bändchens, Journalisten aus Deutschland und Österreich, meinen, daß die in einigen Nato-Ländern unter dem Namen "Gladio" bekannt gewordenen Strukturen der rechtsextremen oder sogar rechtsterroristischen Bewegung zuzuschreiben seien. Sie behaupten, daß Geheim- und Sicherheitsdienste in Deutschland, Italien, Österreich vornehmlich unter ehemaligen Nationalsozialisten und Faschisten rekrutiert hätten und deshalb rechtslastig seien. Sie erwähnen nicht, daß viele ehemalige Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus am Aufbau von Nachrichtendiensten in Nato-Ländern beteiligt waren. Sie bauen dann ein Verschwörungsnetz auf, das von Geheimdiensten und vom Kuratorium Unteilbares Deutschland bis zur Moon-Sekte, zur Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, zur PKK und Südtiroler Terroristen reicht. Es hat alle diese Erscheinungen, es hat rechten und linken Terrorismus in Italien gegeben, rechtsextreme Organisationen in der Bundesrepublik, Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Aber wo bleiben Beweise dafür, daß diese Erscheinungen mit den militärischen Planungen für "Gladio" zusammenhingen oder gar von der Nato angeordnet wurden? Die ausführlich dargestellten Ereignisse in Italien - Verwicklung der Geheimdienste in innenpolitische und terroristische Aktivitäten - sind auf die besondere politische Situation in diesem Land und nicht auf eine angebliche Einwirkung der Nato zurückzuführen. Die Beiträge des von Jens Mecklenburg herausgegebenen Bändchens zeigen einiges auf über terroristische Aktivitäten und Verzweigungen in Italien und Österreich, einiges über Rechtsextremismus in Deutschland (unter anderem der "Bund Deutscher Jugend" der fünfziger Jahre), kaum etwas über die abwegige Behauptung, daß "Gladio die geheime Terrororganisation der Nato" war. (Jens Mecklenburg [Herausgeber]: GLADIO. Die geheime Terrororganisation der Nato. Elefanten Press Verlag, Berlin 1997. 144 Seiten, 24,90 Mark.) HANS KLUTH

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