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: Mit Gefühl

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Seitdem Oswald Metzger CDU-Mitglied ist und er als Wahlkreiskandidat in Biberach und Friedrichshafen gescheitert ist, hört man wenig von dem Politiker, der als Sozialdemokrat begann, als grüner Bundestagsabgeordneter zweistellige Ergebnisse holte und eine Talkshowberühmtheit wurde. Vor einiger Zeit ...

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          Seitdem Oswald Metzger CDU-Mitglied ist und er als Wahlkreiskandidat in Biberach und Friedrichshafen gescheitert ist, hört man wenig von dem Politiker, der als Sozialdemokrat begann, als grüner Bundestagsabgeordneter zweistellige Ergebnisse holte und eine Talkshowberühmtheit wurde. Vor einiger Zeit fiel sogar eine Lesung in Metzgers oberschwäbischer Heimat Biberach aus, wo er sein Buch "Die verlogene Gesellschaft" vorstellen wollte. Was wohl auch daran liegt, dass in dem Buch nachzulesen ist, was Metzger über die Jahre hinweg alles in Talkshows gesagt hat. Metzger will eine aktuelle Gesellschaftsanalyse vorlegen, den Medien und den Berufspolitikern den Spiegel vorhalten. Doch das funktioniert nicht, weil der Autor selbst Berufspolitiker war und immer noch den reformistischen Ton der Schröderschen Agenda-Politik anschlägt, ohne die Weltwirtschaftskrise in den Mittelpunkt der Analyse zu rücken. Metzger bleibt seiner wirtschaftsliberalen Argumentationsroutine treu, wenn er schreibt, der Sozialstaat belaste die leistungsbereiten Arbeitnehmer und Unternehmer, die Bruttoarbeitskosten seien zu hoch, das Kirchhoffsche Steuermodell müsse zwingend eingeführt werden. Lässt sich so noch argumentieren, wenn die Mehrheit der Bürger spätestens seit der Pleite der Lehman-Bank und der IKB das Gefühl hat, dass die Gier der Manager der Volkswirtschaft stärker geschadet haben könnte als zu üppige Sozialleistungen?

          Zweifelhaft ist auch Metzgers Kritik an der Mediengesellschaft, von der er selbst jahrelang profitiert hat. Nicht, weil er als wirtschaftsliberaler Grüner die überzeugenderen Argumente hatte, wurde Metzger zum Medienliebling, sondern nur, weil andere Grüne solche Thesen nicht äußerten. Metzger schreibt über die verderbenden Mühlen des Politikbetriebs: "Es gibt viele eitle Persönlichkeiten auf dem politischen Parkett. Die Sucht nach öffentlicher Anerkennung, die Gier, im Rampenlicht zu stehen, sind Teil des Politiker-Egos." Er gibt zwar zu, auch auf der Klaviatur der Mediengesellschaft gespielt zu haben, verschweigt aber, dass er den Grünen vor allem deshalb den Rücken kehrte, weil ihm die Arbeit als baden-württembergischer Landtagsabgeordneter zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit nicht genügte. Der Wertkonservative aus Oberschwaben wollte mit aller Macht wieder zurück auf die bundespolitische Bühne. Die Entscheidung der Grünen für das Grundeinkommen war ihm nur der Anlass zum Austritt.

          RÜDIGER SOLDT

          Oswald Metzger: Die verlogene Gesellschaft. Rowohlt Verlag, Berlin 2009. 256 S., 16,90 [Euro].

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