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: Mit dem Kopf durch die Wand

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"Karl und Rosa", Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, genossen in der DDR geradezu kultische Verehrung als Märtyrer der kommunistischen Bewegung in Deutschland. Auch nach dem Ende der DDR gedenken alljährlich an einem Januartag mehrere tausend Menschen auf dem Friedhof Berlin-Lichterfelde der durch Freikorpssoldaten am 15.

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          "Karl und Rosa", Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, genossen in der DDR geradezu kultische Verehrung als Märtyrer der kommunistischen Bewegung in Deutschland. Auch nach dem Ende der DDR gedenken alljährlich an einem Januartag mehrere tausend Menschen auf dem Friedhof Berlin-Lichterfelde der durch Freikorpssoldaten am 15. Januar 1919 ermordeten KPD-Führer Liebknecht und Luxemburg. Rosa Luxemburg gilt als die bedeutendere der beiden zentralen Gründerfiguren der Kommunistischen Partei Deutschlands. Über sie liegen mehrere Biographien vor, sechs Bände mit ihren gesammelten Briefen und fünf Bände ihrer gesammelten Werke; Margarethe von Trotta machte sie zum Gegenstand eines vielbeachteten Films. Als Beraterin bei diesem Filmprojekt, als Editorin der Briefe Rosa Luxemburgs, Mitherausgeberin ihrer Werke und Verfasserin einer Biographie über sie ist Annelies Laschitza gewissermaßen über Rosa Luxemburg zu Karl Liebknecht gekommen, über den sie nun eine umfängliche Biographie verfasst hat - mit der Absicht, ihn aus dem Schatten Rosa Luxemburgs herauszuholen. Das gelingt ihr. In einer faktenorientierten, sinnvoll proportionierten Darstellung beleuchtet sie die unterschiedlichen Facetten in diesem Leben. Der familiäre Kontext wird ebenso ausführlich behandelt wie Liebknechts Laufbahn und Wirken als Politiker, die Krisen in seiner Persönlichkeitsentwicklung kommen ebenso zur Sprache wie sein - um das mindeste zu sagen - "schwieriger" Charakter.

          Die Familie: Karl Liebknecht wurde in eine ausgesprochen "politische Familie" hineingeboren. Der Vater Wilhelm Liebknecht stand viele Jahre neben August Bebel an der Spitze der jungen deutschen Sozialdemokratie. Er hatte aus seiner ersten Ehe zwei Töchter, aus der zweiten Ehe fünf Söhne; Karl, geboren 1871, war der zweitälteste. Nach Studium und Referendariat trat er als Sozius in die Anwaltskanzlei seines Bruders Theodor ein. Im Alter von 29 Jahren trat er in die SPD ein, wurde 1901 Stadtverordneter in Berlin, 1908 Mitglied des Preußischen Landtags, 1912 Reichtagsabgeordneter und war auch ein gesuchter Redner und Anwalt in politischen Prozessen. Seine Agitation galt vorrangig dem Kampf gegen den "Militarismus" und zielte vor allem auf eine Mobilisierung der Arbeiterjugend - das Partei-Establishment zeigte seinen eifernden Aktivitäten jedoch die kalte Schulter. Sein Buch "Militarismus und Antimilitarismus" trug ihm 1907 die Verurteilung zu einer anderthalbjährigen Festungshaft wegen Hochverrats ein.

          Diese Vorgänge, die ihn deutschlandweit bekannt machten, fielen zusammen mit einer tiefen Lebenskrise. 1906 entbrannte der 35 Jahre alte Vater von drei kleinen Kindern in leidenschaftlicher Liebe zu einer 22-jährigen Russin, der Kunstgeschichtsstudentin Sophie Ryss aus einer gutsituierten jüdischen Familie in Rostow. Diese Liebe, die bei Begegnungen an verschiedenen Orten verstohlen ausgelebt wurde, brachte Liebknecht zeitweilig völlig aus dem Gleichgewicht und erregte im Familienkreis und bei der Parteiführung heftigen Unmut. Da Karls Briefe an Sophie erhalten geblieben sind, kann Frau Laschitza ausgiebig aus ihnen zitieren und belegen, dass Sophie in diesen Jahren zu seiner intimsten Vertrauten wurde. Als Ehefrau Julia 1911 plötzlich verstarb, war der Weg frei für die Heirat mit Sophie, die ihm in den folgenden schweren Jahren eine hingebungsvolle und treue Gefährtin war. Es war Liebknechts engagiertes Auftreten gegen die militaristischen Tendenzen in Staat und Gesellschaft sowie gegen die Praktiken der Rüstungsindustriellen, durch das er immer stärker nach links rückte. Erstaunlicherweise kam es aber bis 1914 zu keiner engeren persönlichen Fühlung mit Rosa Luxemburg. Schon in den Vorkriegsjahren trat Liebknechts schroffe Unbedingtheit immer deutlicher zutage. Genossen vom rechten Parteiflügel hielten ihn für "geistig nicht normal" und attestierten ihm "pathologische Eitelkeit". Nach Kriegsbeginn 1914 nahm Liebknecht dann mit rücksichtsloser Entschlossenheit den Kampf gegen die Kriegspolitik der Regierung und der Parteimehrheit auf. Unter Bruch der Parteidisziplin stimmte er ab Dezember 1914 offen gegen die Bewilligung der Kriegskredite; seine Parole lautete "Burgkrieg, nicht Burgfriede".

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