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Memoiren : Anekdoten aus dem Rosengarten

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton: Erzählt sie was? Bild: dpa

Hillary Clinton hat ihre Memoiren geschrieben. Aber Voyeure werden nicht auf ihre Kosten kommen: Die Dame hat Ambitionen.

          Es gehört nicht viel seherische Gabe dazu, den Memoiren von Hillary Clinton das Lektüreschicksal eines pornographischen Buches zu prophezeien. Man wird die Lebenserinnerungen der Präsidentengattin, die auf der ganzen Welt am 9. Juni erscheinen sollen, auf "Stellen" hin lesen. Die ersten Kritiker und Rezensenten werden mit fliegenden Fingern und gierigen Augen nach saftigen Details suchen, auf Enthüllungen über die tumultuösen Jahre des letzten Demokraten im Weißen Haus hoffen - und natürlich nach Einzelheiten über Bill Clintons Zigarrenspiele mit Monica Lewinsky lechzen.

          Wann hat seine Gattin von dem Techtelmechtel erfahren? Wie konnte sie die schmierige Affäre, die alles gefährdete, wofür sie ein Leben lang gerackert hatte, nur ertragen? Und wie kann sie heute noch mit dem Mann verheiratet sein, der sie vor aller Welt bloßgestellt und die Nation belogen hat?

          Hoffnung auf politische Offenbarungen

          Auch die Voyeure des politischen Washington hoffen auf wohlige Schauer der Erregung: Was wird Hillary Clinton über den sogenannten Whitewater-Skandal schreiben, der die Präsidentschaft ihres Mannes und ihre eigenen Manöver in der Hauptstadt wie ein düsterer Schatten verfolgte, und was über den Selbstmord ihres engen Freundes und Beraters Vince Foster?

          Gespannt wartet die interessierte Öffentlickeit auf die Abrechnung mit dem Sonderermittler Kenneth Starr und die Aufdeckung jener "weitläufigen konservativen Verschwörung", von der Frau Clinton einst gesprochen hat, als das Oval Office einer belagerten Festung ähnlich sah. Der Fragen sind viele an die Frau, die nicht nur, wie zahllose ihrer Vorgängerinnen, Ornament der Regierung ihres Mannes war, sondern beinahe so etwas wie eine Ministerin ohne Kabinettsrang.

          Spekulationen

          Der New Yorker Verlag Simon&Schuster, der das Buch mit dem im Amerikanischen hübsch doppelsinnigen Titel "Living History" mit einer atemraubenden Startauflage von einer Million Exemplaren auf den Markt drücken wird, tut alles, um die gespannte Neugier noch zu steigern. Es gibt viel Geschnatter, viele Andeutungen und heftige Spekulationen, aber das Manuskript wird strictissime unter Verschluß gehalten. Es gibt keinen Vorabdruck, keine Rezensionsexemplare für Journalisten, keine Zitathäppchen, nichts von den üblichen Appetitanregern der Branche. Alle Anfragen werden mit der Auskunft beschieden, Frau Clintons Autobiographie werde "aufrichtig und klar" sein, eine Formulierung, die nicht zufällig von ihrem Anwalt Robert Barnett stammt und deshalb manche Interpretation zuläßt.

          Promotionaktionen

          Mutiger sind nur die Werbeleute, die schon jetzt auf allen Kanälen für ein Exklusivinterview trommeln, das Hillary Clinton der Grande Dame des amerikanischen Talk-Show-Tingeltangels, Barbara Walters, gewähren wird. Es soll am 8.Juni, einen Tag vor Auslieferung des Buches, gesendet werden. Die einstige First Lady werde, so heißt es, in dem Fernsehgespräch "alles" sagen. Wirklich alles.

          Nichts ist unwahrscheinlicher als das. Natürlich weiß Frau Clinton, was sie ihrem Verlag schuldet. Immerhin hat sie einen sagenhaften Vorschuß in Höhe von acht Millionen Dollar für das Buch kassiert, das sie in den vergangenen beiden Jahren gemeinsam mit der Autorin Maryanne Vollers und der Journalistin Lissa Muscatine geschrieben hat. Die "Washington Post" schätzt, daß etwa 700000 Exemplare verkauft werden müssen, um das Werk profitabel zu machen. Und so geht die Senatorin gleich nach der Erstveröffentlichung auf Lesereise kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten.

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