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: Mehr als eine Randerscheinung

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Rolf-Dieter Müller legte vor wenigen Jahren eine beachtenswerte Darstellung des Zweiten Weltkrieges vor, den er als "letzten deutschen Krieg" präsentierte. Nun erinnert er daran, dass ein Kernstück - Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion - hinsichtlich der beteiligten Akteure so rein deutsch gar nicht war.

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          Rolf-Dieter Müller legte vor wenigen Jahren eine beachtenswerte Darstellung des Zweiten Weltkrieges vor, den er als "letzten deutschen Krieg" präsentierte. Nun erinnert er daran, dass ein Kernstück - Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion - hinsichtlich der beteiligten Akteure so rein deutsch gar nicht war. Anknüpfend an frühere Arbeiten von Militärhistorikern, etwa Hans Werner Neulen, weist er nach, dass "an der Seite der Wehrmacht" auf dem osteuropäischen Kriegsschauplatz schon von Anfang an nahezu eine Million - später sogar das Doppelte - nichtdeutscher militärischer Kräfte operierten. Der Bestand der an der Ostfront eingesetzten "reichsdeutschen" Armeeangehörigen lag, gemäß Müller, bei durchschnittlich zwischen 2,5 und 3 Millionen Mann.

          Müller zeigt, wie sich die imposante Gesamtzahl militärischer "Fremdarbeiter" aus einer Addition sehr verschiedenartiger Komponenten ergibt. Er spricht zunächst von den Beiträgen der mit dem Reich verbündeten Staaten. Unter ihnen nahm Finnland eine Sonderstellung ein, weil es seine Kriegsbeteiligung nicht als Teilnahme an Hitlers "Kreuzzug gegen den Bolschewismus" verstanden wissen wollte. Vielmehr ging es den Finnen primär darum, den im vorausgegangenen "Winterkrieg" 1939/40 an die Sowjets verlorenen Teil Kareliens zurückzugewinnen. Bis zum Herbst 1944 band die finnische Armee in ihrem langgezogenen Frontabschnitt zwar beträchtliche sowjetische Kräfte; die politische Führung wahrte gegenüber Berlin indessen eine gewisse ideologische Distanz und ließ auch die Verbindung nach Washington nie abbrechen.

          Weit weniger konkret motiviert als die auf Sicherung seines territorialen Besitzstandes begrenzte Kriegführung Finnlands war die Beteiligung Italiens an Hitlers "Unternehmen Barbarossa". Mussolini ging es darum, antibolschewistische Solidarität mit dem deutschen Verbündeten an den Tag zu legen, vor allem aber den Geltungsanspruch Italiens als europäischer Großmacht auch auf dem neuen Kriegsschauplatz zu demonstrieren. Ohne von deutscher Seite dazu aufgefordert worden zu sein, entsandte Italien Truppenverbände an die Ostfront, deren Bestand sich sukzessive auf nahezu 250000 Mann erhöhte. Zeitweise erschien es nützlich, Italiener als Trennelement zwischen die Kontingente zweier anderer Verbündeter des Reiches in die Frontlinie einzuschieben: Ungarns und Rumäniens.

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