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: Lahme Flotte

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Für die kaiserliche Marine war der Erste Weltkrieg ein Fiasko. Die englische Strategie der fernen Blockade ließ die milliardenteure Tirpitz-Flotte zu einem nahezu nutzlosen Kampfmittel verkümmern. Statt gegen die Royal Navy um die Seeherrschaft zu kämpfen, schwoiten die riesigen Schlachtschiffe meist friedlich im Hafen um ihre Anker.

          Für die kaiserliche Marine war der Erste Weltkrieg ein Fiasko. Die englische Strategie der fernen Blockade ließ die milliardenteure Tirpitz-Flotte zu einem nahezu nutzlosen Kampfmittel verkümmern. Statt gegen die Royal Navy um die Seeherrschaft zu kämpfen, schwoiten die riesigen Schlachtschiffe meist friedlich im Hafen um ihre Anker. Alle Versuche der Marineführung, dem damit verbundenen Ansehensverlust der einstigen Elitestreitkraft entgegenzuwirken, blieben vergeblich. Im Herbst 1915 schrieb Kapitänleutnant Ernst von Weizsäcker seiner Mutter: "Was wir treiben, hat eben keinen Sinn und lässt sich nicht verteidigen." Das unrühmliche Kriegsende mit Matrosenrevolte und Revolution in Kiel verstärkte deshalb nur noch den Wunsch, das vermeintlich schiefe Bild von der überflüssigen Flotte wieder geradezurücken. Die Aufarbeitung des Kriegsgeschehens durch die amtliche Militärgeschichtsschreibung bot dazu eine willkommene Gelegenheit. Schon 1920 publizierte das Marinearchiv den ersten Band der offiziellen Darstellung "Der Krieg zur See". Insgesamt war das Werk auf mehr als 20 Bände angelegt. Sie sollten nicht allein taktisch-operative Kriegserfahrungen dokumentieren, sondern vor allem die Leistungen und Erfolge der Flotte hervorheben. Kritik an verdienten Führern wie Tirpitz und Scheer war unerwünscht. Wissenschaftliche Ansprüche hatten hinter dem apologetischen Auftrag zurückzustehen.

          Besonders deutlich zeigte sich das an dem Band "Vom Sommer 1917 bis zum Kriegsende 1918", der nach langen internen Querelen nicht vor 1944 fertiggestellt und erst 1965 veröffentlicht wurde. Die belastenden Ereignisse des Oktober und November 1918 wurden darin einfach ausgeblendet. Eine kritische Edition legt nun Gerhard P. Groß vor. In einer kenntnisreichen Einführung schildert er ausführlich die bewegte Entstehungsgeschichte des Werkes. Der umfangreiche Anmerkungsapparat enthält neben weiteren Quellen und Hinweisen auch Kommentare und Änderungsvorschläge der ursprünglichen Bearbeiter. Ein Schuber mit 14 Karten, darunter einige Faksimiles verschollen geglaubter Originale, rundet die gelungene Neuherausgabe ab.

          NICOLAS WOLZ

          Der Krieg zur See 1914-1918. Der Krieg in der Nordsee. Band 7: Vom Sommer 1917 bis zum Kriegsende 1918. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes bearbeitet und neu herausgegeben von Gerhard P. Groß unter Mitarbeit von Werner Rahn. Verlag E.S. Mittler & Sohn, Hamburg 2006. 486 S. und Schuber, 68,- [Euro].

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