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: Kurtis Kurt

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Kindheit und Jugend Kurt von Schuschniggs - genannt Kurti - waren schwierig. Als Sohn des letzten Bundeskanzlers der ersten österreichischen Republik musste er bei offiziellen Anlässen oft die Eltern begleiten. Der Tod seiner Mutter im Jahr 1935 traf ihn hart. Nach dem "Anschluss" Österreichs im März ...

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          Kindheit und Jugend Kurt von Schuschniggs - genannt Kurti - waren schwierig. Als Sohn des letzten Bundeskanzlers der ersten österreichischen Republik musste er bei offiziellen Anlässen oft die Eltern begleiten. Der Tod seiner Mutter im Jahr 1935 traf ihn hart. Nach dem "Anschluss" Österreichs im März 1938 wurde sein Internat geschlossen; in München kam er bei Verwandten unter, fand aber als Sohn eines "Schutzhäftlings" des Deutschen Reiches nur schwer eine neue Schule. Immerhin konnte er den Vater häufiger im Münchener Gestapogefängnis besuchen, wo dieser vorübergehend untergebracht worden war. Dann wurde der ehemalige österreichische Regierungschef mit seiner zweiten Ehefrau, die ihn freiwillig begleitete, ins KZ Oranienburg verlegt. Dort waren dem jungen Schuschnigg nur gelegentliche Besuche erlaubt. Dabei lernte er die unterschiedlichen Haftbedingungen kennen: Während Vater Kurt relativ sicher in einem kleinen Häuschen auf dem Lagergelände lebte, konnte Kurt junior beobachten, wie brutal die Kapos einen Lagerinsassen ermordeten. Um einer drohenden Einberufung zu entgehen, meldete er sich freiwillig zur Marine. Seine Eindrücke waren eher positiv. Nach einer schweren Verwundung auf See gestaltete sich sein Leben abenteuerlich: Da er sich weigerte, auf einem Schiff von Ostpreußen in den Westen transportiert zu werden, entging er der "Wilhelm Gustloff". In Berlin suchte er Heinrich Himmler auf, um den Vater im KZ wiedersehen zu dürfen, und überlebte die Zerstörung des Reichssicherheitshauptamts. Nach seiner Genesung in einem Münchener Lazarett entzog er sich einer befürchteten Verhaftung durch die Flucht in die Schweiz. Nach dem Krieg traf er seine Familie auf Capri wieder.

          Die Autorin schildert anschaulich die Jugendjahre ihres späteren Ehemanns und dessen Begegnungen mit Funktionären des "Dritten Reichs". Schuschnigg junior verehrt seinen Vater als denjenigen, der Österreich vor dem Abgrund bewahren wollte - ohne die Zwangsmaßnahmen während des Regimes von Schuschnigg senior auch nur zu erwähnen. Kritischer sieht er die Haltung seiner Landsleute während der Zeit von 1938 und 1945, da sie zunächst Hitler mehrheitlich bejubelten und sich erst vom "Führer" distanzierten, als der Krieg verloren war.

          FRANZ-JOSEF KOS

          Kurt von Schuschnigg: Der lange Weg nach Hause. Der Sohn des Bundeskanzlers erinnert sich. Aufgezeichnet von Janet von Schuschnigg. Amalthea Verlag, Wien 2008. 336 S., 22,90 [Euro].

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