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: Kriegsblinde

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In Österreich gab es nach dem Ende des Ersten Weltkrieges rund 300 Kriegsblinde (in Deutschland rund 2500). In allen Ländern, die am Krieg teilgenommen hatten, galt der Sehverlust als schlimmste aller Kriegsbeschädigungen - und überall bemühten sich die Regierungen, aber auch karitative Vereine, das Los dieser Menschen zu erleichtern.

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          In Österreich gab es nach dem Ende des Ersten Weltkrieges rund 300 Kriegsblinde (in Deutschland rund 2500). In allen Ländern, die am Krieg teilgenommen hatten, galt der Sehverlust als schlimmste aller Kriegsbeschädigungen - und überall bemühten sich die Regierungen, aber auch karitative Vereine, das Los dieser Menschen zu erleichtern. Neben staatlichen Maßnahmen aller Art gab es Bemühungen, die Kriegsblinden fortzubilden, sie mit Wohnungen, Häusern und Blindenhunden zu versehen. Aber während des Krieges gab es auch befremdliche Versuche, diese Blinden einer militärischen Weiterverwendung zuzuführen. Gezielt wurden die Blinden mit den Möglichkeiten der Blindenschrift vertraut gemacht, und als das Radio aufkam, erhielten sie sofort die entsprechenden Rundfunkempfänger. Viele Maßnahmen zielten darauf ab, die Kriegsblinden wieder ins Berufsleben zu integrieren. Eine österreichische Besonderheit waren die Tabakfabriken: Fast die Hälfte von ihnen wurde von Kriegsblinden geführt. Zu mehr als der Hälfte stammten die österreichischen Kriegsblinden aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Daß überproportional viele Galizier unter ihnen waren, ging wohl - was die Autorin nicht thematisiert - auf deren Einsatzräume zurück. Das von den Kriegsparteien verwendete "Giftgas" spielte im übrigen nur eine untergeordnete Rolle. Beeinträchtigungen des Sehvermögens - natürlich denkt man an Hitler - blieben meist vorübergehend.

          Alles in allem wurde die Administration mit dem Problem der Kriegsblinden gut fertig; natürlich gab es Ausnahmen, und mancher andere Invalide fragte sich, ob es denn wirklich gerechtfertigt sei, daß den Kriegsblinden so viel Aufmerksamkeit erwiesen wurde. Vor allem die schlechtversorgten Zivilblinden fühlten sich benachteiligt und verstanden die "Privilegien" ihrer Leidensgenossen nicht. Daß auch kriegsblinde jüdische Soldaten später von den Nationalsozialisten rücksichtslos ermordet wurden, deutet die Autorin nur an.

          MICHAEL SALEWSKI

          Barbara Hoffmann: Kriegsblinde in Österreich 1914-1934. Ludwig-Boltzmann-Institut, Graz/Wien/Klagenfurt 2006. 245 S., 19,90 [Euro].

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