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: Kirchentreu

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Bei der letzten Mehrparteienwahl der Weimarer Republik am 5. März 1933 erzielte die NSDAP mit 43,9 Prozent das bis dahin beste reichsweite Ergebnis einer einzelnen Partei. Die Wähler der von der Schuhindustrie geprägten Landgemeinde Hauenstein im Pfälzer Wasgau wählten jedoch zu 92,6 Prozent die Gemeinschaftsliste von Zentrum und Bayerischer Volkspartei.

          Bei der letzten Mehrparteienwahl der Weimarer Republik am 5. März 1933 erzielte die NSDAP mit 43,9 Prozent das bis dahin beste reichsweite Ergebnis einer einzelnen Partei. Die Wähler der von der Schuhindustrie geprägten Landgemeinde Hauenstein im Pfälzer Wasgau wählten jedoch zu 92,6 Prozent die Gemeinschaftsliste von Zentrum und Bayerischer Volkspartei. Auch in der Folgezeit gelang es den Nationalsozialisten nicht, in Hauenstein Fuß zu fassen. Theo Schwarzmüller geht diesem Phänomen nach. Während die evangelischen Christen nach dem Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland politisch orientierungslos waren, überstand das durch den Kulturkampf innerlich gefestigte katholische Milieu diese Krise weitgehend unbeschadet und blieb auch als geschlossene Wählergruppe fast vollständig erhalten. Die konfessionelle Gemengelage in diesem Teil Deutschlands verschärfte die politischen Gegensätze zusätzlich. Für den besonderen Zusammenhalt in Hauenstein sorgte auch das zum Teil von der Kirche moderierte Gleichgewicht zwischen den Interessen der Arbeiter und der Fabrikbesitzer. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus bestand für die Hauensteiner zunächst in der Verteidigung ihrer gewohnten Lebenswelt gegen den totalitären Anspruch.

          Dem Regime gelang es auch durch Verbote, Einschüchterung und Haft nicht, den Einfluss der Kirche zurückzudrängen. Mit stetigem öffentlichen Bekenntnis durch den regelmäßigen Kirchgang und die nahezu geschlossene Teilnahme an den Prozessionen demonstrierten die Menschen ihre Treue gegenüber der Kirche. Darüber hinaus waren die Menschen in Hauenstein von ihren christlichen Werten durchdrungen und lebten sie auch, was sich an der vielfachen, mit persönlichem Risiko verbundenen Hilfe für jene Mitmenschen, die nach Meinung der Machthaber aus der "Volksgemeinschaft" entfernt werden mussten, zeigte: Juden, "Mischlinge" und Behinderte. Es ist gut, an diese Menschen, an ihren Mut und ihre Standhaftigkeit zu erinnern.

          KLAUS A. LANKHEIT

          Theo Schwarzmüller: Hauenstein gegen Hitler. Die Geschichte einer konfessionellen Lebenswelt. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2007. 176 S., 14,80 [Euro].

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