https://www.faz.net/-gqz-skca

: Keine Klassen

  • Aktualisiert am

Die letzte völkerrechtliche Untersuchung des im April 2005 viel zu früh verstorbenen Würzburger Staats- und Völkerrechtlers Dieter Blumenwitz behandelt die Geschehnisse in Slowenien während der Besetzung durch die sogenannten Achsenmächte Deutschland, Italien und Ungarn im Zweiten Weltkrieg und der anschließenden kommunistischen Machtübernahme in Jugoslawien.

          1 Min.

          Die letzte völkerrechtliche Untersuchung des im April 2005 viel zu früh verstorbenen Würzburger Staats- und Völkerrechtlers Dieter Blumenwitz behandelt die Geschehnisse in Slowenien während der Besetzung durch die sogenannten Achsenmächte Deutschland, Italien und Ungarn im Zweiten Weltkrieg und der anschließenden kommunistischen Machtübernahme in Jugoslawien. In den Jahren 1941 bis 1946 geriet die slowenische Zivilbevölkerung zwischen die Fronten und mußte unter Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und des Rechts der kriegerischen Besetzung durch die in Annexionsabsicht eingefallenen Besatzungsmächte ebenso leiden wie unter dem zunehmenden Terror kommunistischer Widerstandsgruppen. Diesen galten alle Gegner des Kommunismus als Kollaborateure und "innere Feinde", die durch den Sicherheits- und Nachrichtendienst VOS (seit 1944 Abteilung für den Schutz des Volkes, OZNA) systematisch verfolgt und liquidiert wurden. Die slowenische Landwehr konnte den Zweifrontenkrieg für "die slowenische Heimat als Teil des freien Europa" nicht gewinnen. Die von und im Auftrag der "Antiimperialistischen Befreiungsfront" unter Tito begangenen Verbrechen - Blumenwitz qualifiziert sie mit guten Gründen als völkerrechtlich erhebliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit - blieben im kommunistischen Jugoslawien ungesühnt und harren noch immer der Aufarbeitung.

          Die "rechtliche Bewertung der Untaten beider Seiten" - der Besatzungsmächte wie der kommunistischen Widerstandskräfte und späteren Machthaber - ist für Blumenwitz "Voraussetzung für die Aussöhnung und den Neubeginn der slowenischen Gesellschaft" nach dem mit der slowenischen Sezession eingeleiteten Zerfall des alten kommunistischen Jugoslawien und muß daher auch heute noch eingefordert werden. Es gibt keine Opfer erster und zweiter Klasse. Das ist das Credo des Autors. Alle haben in gleicher Weise Anspruch auf Gerechtigkeit, und das sich als Rechtsgemeinschaft begreifende Europa kennt kein vae victis, lebt vielmehr aus der alten Aquinischen Erkenntnis, daß eine Friedensordnung nur auf Gerechtigkeit gründen kann: opus iustitiae pax. Aus diesem Geist an solchem Werk mitgearbeitet zu haben bleibt das große Verdienst von Dieter Blumenwitz und die Verpflichtung, daran unbeirrt weiterzuarbeiten, sein Vermächtnis.

          CHRISTIAN HILLGRUBER

          Dieter Blumenwitz: Okkupation und Revolution in Slowenien (1941-1946). Eine völkerrechtliche Untersuchung. Böhlau Verlag, Wien 2005. 162 S., 29,90 [Euro].

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Alles klar: Leon Goretzka und die deutsche Nationalmannschaft haben die EM-Qualifikation überstanden.

          EM-Qualifikation im Liveticker : 4:0 – Kroos zum Zweiten

          Deutschland profitiert davon, dass es in der EM-Qualifikation keinen Videoassistenten gibt. Auch beim Treffer von Toni Kroos hätte man auf Abseits entscheiden können. Das WM-Ticket ist beim jetzigen Spielstand auch in Nordirland fix. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.